Didaktik der Chemie / Universität Bayreuth

Stand: 13.04.15


4.4 Problemorientierung S. 83-85


Zur Problemorientierung findet sich in der Literatur so gut wie nichts. Sie ist auf beiden Ebenen einordenbar:

4.4.1 Ebene der Konzeption

Im weitesten Sinn ist Problemorientierung eine Konzeption. Der Lehrende macht regelmäßig über mehrere Unterrichtseinheiten bzw. eine ganzen Lehrgang ein Problem zum Ausgangspunkt seiner unterrichtlichen Bemühungen. Das (didaktische) Problem kann aus einem der Bereiche stammen:

  • Fachwissenschaft
  • Alltag
  • Arbeitswelt
  • Lebenswelt
  • Technik......

Für den Lernprozess ist das Problem dann am bedeutendsten, wenn ein Widerspruch zwischen dem aktuellen Erkenntnisstand des Lernenden und einer Beobachtung, einer wissenschaftlichen Theorie,  einer gesellschaftlichen Erfahrung, dem persönlichem Erkenntnisstand u.ä. besteht. Problemorientierung wirkt motivierend und das Verständnis fördernd, erfordert aber einen höheren Planungs- und Zeitaufwand.

4.4.2 Ebene als Unterrichtsmethode

Im engeren Sinn versteht man unter problemorientierten Unterrichtsmethoden eine Gruppe von (zyklischen) Unterrichtsmethoden, die notwendigerweise auf ein Problem im Sinn der o.a. Bereiche angewiesen ist: man geht davon aus und kommt am Ende über die Lösung darauf zurück. Die meisten Unterrichtsmethoden sind problemorientiert. Beispiele:

  • die forschende Unterrichtsmethode ist ohne ein Problem am Anfang nicht denkbar;
  • die historische Unterrichtsmethode kommt nur dann ohne ein Einstiegsproblem aus, wenn sie sich auf eine Auflistung von Jahreszahlen mit Leistungen einer Epoche oder Person beschränkt (ist es dann noch eine Unterrichtsmethode?);
  • spielorientierte, rein fragende Unterrichtsmethoden oder bestimmte Formen der Freiarbeit (zweckfreie ästhetische Beschäftigung) kommen ohne Einstiegsproblem aus, sie sind linear.


Folie 1: Die Gruppe der problemorientierten UM

4.4.3 Problemorientierung als Artikulationsstufe

Im engsten Sinn handelt es sich dabei um die erste Artikulationsstufe einer problemorientierten Unterrichtsmethode. Ziel ist das Schaffen (lehrerzentriert) oder das Erlangen (schülerzentriert) von Problembewusstsein als Grundlage für das Bestreben, dieses Problem (selbst) zu lösen. Geeignete Probleme können sein:

  • Lücken-Probleme (Lernende erkennen, dass sie etwas nicht wissen)
    • Interpolationsprobleme (die zwei Pole des Problems sind definiert, wie man vom einen zum anderen kommt ist unbekannt). Bsp.: Aus Buttersäure und Ethanol soll Ethylbutanoat hergestellt werden. Wie muss man vorgehen?
    • Gestaltungsprobleme (der Ausgangspunkt ist nur ungenau bekannt, ist Teil des Problems, der Endpunkt ist wohl definiert). Bsp.: Ethylbutanoat soll hergestellt werden. Was benötigt man und wie geht man vor?
  • Widerspruch-Probleme (Lernende werden einer Widerspruchssituation ausgesetzt). Bsp.: Durch die Verbrennung von Eisenwolle wird diese schwerer. Erfahrung: die Verbrennung von Alltagsstoffen (Papier, Holz) macht diese leichter.
  • unnötige Komplikation (aus einer Fülle von Informationen die für eine Lösung relevanten isolieren). Bsp.: Zum Aufbau einer Destillationsapparatur werden auch Distraktoren (Geräte, die nicht benötigt werden) angeboten. [nach H. Aebli]

Der Begriff sollte man nicht mit "(Lern)Schwierigkeit" verwechseln.


Zur eigenen Kontrolle:

  1. Geben Sie zwei Beispiele für Widerspruchsprobleme.

  2. Diskutieren Sie Vor- und Nachteile von problemorientiertem gegenüber nicht problemorientiertem Vorgehen.


Download der Folien als PowerPoint-Präsentation pptx

    E-Mail an: Walter.Wagner ät uni-bayreuth.de