Petra Titze, Staatliche Realschule Hof, 1997
Die Behandlung des Themas "Die Nachteile des Waschens mit Seife" erfolgt im Chemieunterricht der Realschule in der 10. Jahrgangstufe im Rahmen des Themenbereichs "Maßgeschneiderte Stoffe in Technik und Alltag". In den vorangegangenen Stunden wurden die Seifenherstellung, der Bau eines Seifenanions, die Wirkung von Seife auf die Grenzflächenspannung und der Waschvorgang besprochen. In dieser Stunde werden die Nachteile des Waschens mit Seife behandelt, wobei besonders auf den pH-Wert, auf die Reaktionen mit Säuren und hartem Wasser eingegangen wird. Die Schüler sollen vor diesem Hintergrund erkennen, daß die Seifen aufgrund ihrer nachteiligen Reaktionen beim Waschen durch moderne Waschsubstanzen weitgehend verdrängt worden sind. Auf die verschiedenen Tensidklassen, die Zusammensetzung der modernen Waschmittel und ihre Umweltverträglichkeit soll in der folgenden Stunde eingegangen werden.
Als Einstieg in die Stunde wird eine Folie gezeigt, die Frauen
beim Wäsche waschen zur Zeit der Jahrhundertwende zeigt. Dazu
wird die Frage gestellt, mit welchen Substanzen zur damaligen
Zeit die Wäsche gewaschen wurde (Abb. 1). Aus den vorangegangenen Stunden
wissen die Schüler, daß früher Kernseife für alle Waschzwecke
verwendet wurde und warum man zum Waschen Seife benötigt. Die
Präsentation eines "seifenfreien Waschstücks"
dürfte die Schüler daher wahrscheinlich verwundern. Die
Gegenüberstellung "alte Seife «
moderne Waschsubstanz" soll die Problemfrage "Warum ist
die Seife von modernen Waschsubstanzen verdrängt worden ?"
provozieren. Die Überlegung, daß die Seifen gegenüber den
modernen Waschsubstanzen wohl bestimmte Nachteile aufweisen
müssen, soll zum Experimentieren, als Möglichkeit zur
Überprüfung dieser Nachteile, überleiten. Im Laufe des
Unterrichts werden drei Schülerversuche durchgeführt und
besprochen. Dazu sind die Schüler in Dreiergruppen eingeteilt,
so daß jeder aus der Gruppe ein Experiment ausführen
kann. Im Versuch
1 wird gezeigt, daß der Begriff Seifenlaugen wirklich
gerechtfertigt ist, da der Test mit einem Indikator den
alkalischen Bereich anzeigt. Die gefundenen Ergebnisse und
Beobachtungen werden an der Tafel und im Heft fixiert (Tafelbild). Da es sich
bei diesem Versuch um einen Schülerversuch handelt, ist es
besser Indikatorpapier statt Phenoph- taleinlösung zu verwenden.
Ein weiterer Vorteil ist, daß die Trübung der Lösung durch
Fettsäurebildung beim zweiten Versuch noch zu sehen ist. Das
gefundene Ergebnis leitet zu der Frage über, warum ist die
alkalische Reaktion der Seife von Nachteil für den Waschvorgang?
Der Lehrer präsentiert den Schülern die Verpackung des "seifenfreien"
Waschstücks mit der Aufschrift "pH = 5,5". Zur
Verdeutlichung der schädigenden Wirkung der Seifenlauge auf
Wollgewebe werden zwei Wollfäden, wovon der eine in Seifenlauge,
der andere in dest. Wasser eingelegt wurde, auf dem
Overheadprojektor betrachtet. Die gefundenen Ergebnisse werden
wieder an der Tafel und im Heft festgehalten (Tafelbild). Wenn sich
die alkalische Reaktion negativ auf das Waschen auswirkt, wie
verhält es sich dann mit dem Einfluß von Säuren auf das
Waschen mit Seife. Dies führt gleich zur nächsten Frage, wie
kommt die Säure in der Wäsche. Die Ursache für die saure
Reaktion der Wäsche sind Schweiß (Buttersäure), Obstflecken
(Zitronen- Ascorbinsäure), Salatsoße usw., die sich im Gewebe
befinden. Zur Überprüfung der Wirkung von Säure auf die
Waschwirkung wird im Rahmen eines Schülerversuchs zu einer Seifenlösung Essigsäure gegeben (Versuch 2). Die eintretende
Trübung stammt von der Entstehung der Fettsäure- moleküle.
Durch dieses Experiment und das Aufstellen der Reaktionsgleichung
soll die Fettsäurebildung als Problem erkannt werden. Die
Reaktionsgleichung und die Ergebnisse werden an der Tafel und im
Heft fixiert (Tafelbild).
In einem Lehrer - Schülergespräch werden die Nachteile
geklärt, warum sich die Säureempfindlichkeit negative Folgen
auf die Waschwirkung hat. Die Ergebnisse, daß es dadurch zu
einem Mehrverbrauch an Seife und einem Grauschleier auf dem
Gewebe kommt, werden an der Tafel und im Heft festgehalten (Tafelbild). Vor Versuch 3, der die Probleme beim
Waschen mit Seife in hartem Wasser verdeutlichen soll, wird noch
einmal kurz der Unterschied zwischen destilliertem Wasser und
Leitungswasser wiederholt. Falls das vorliegende Wasser relativ
weich ist, wird, um ein aussagekräftigeres Ergebnis zu erhalten,
die Kalkseifenbildung mit hartem Wasser demonstriert (Versuch 4). Nach der Erarbeitung
der resultierenden Nachteile durch den Gebrauch von Seife zum
Waschen, wie Mehrverbrauch an Seife, Grauschleier auf dem Gewebe,
wird die Hausaufgabe gestellt. Der dafür ausgeteilte
"Aqua-Test" umfaßt nur drei Härtebereiche (Aqua-Test). Jedoch gibt
es insgesamt vier Härtebereiche und dies muß bei den Schülern
klargestellt werden, wenn sie den Test erhalten. Da die Schüler
mit diesem Test auch im Alltag konfrontiert werden können, ist
es gerechtfertigt, ihn einzusetzen. Bei der Hausaufgabe steht
somit wiederum die praktische Tätigkeit im Vordergrund.
Außerdem soll den Schülern bewußt werden, wie jeder ganz
leicht einen Beitrag zur Abwasserentlastung leisten kann. Im
Idealfall sind sie davon so überzeugt, daß sie auch Verwandte
und Bekannte darauf aufmerksam machen.
Nach einer kurzen Gesamtzusammenfassung der Nachteile des
Waschens mit Seife wird den Schülern mit Hilfe eines bereits
bekannten Modells der Bau eines Seifenanions noch einmal ins
Gedächtnis gerufen, um zu veranschaulichen, von welcher Gruppe
die nachteiligen Reaktionen ausgehen. An diesem Modell wird durch
den Austausch der Carboxylatgruppe durch eine andere hydrophile
Gruppe in sehr vereinfachter Weise das Prinzip der Herstellung
moderner Waschsubstanzen gezeigt. Um welche Gruppen es sich dabei
handeln kann, wie auch der hydrophile Anteil variieren kann, und
wie sich das auf die biologische Abbaubarkeit auswirkt, soll
Thema der nächsten Stunde sein. Falls am Ende noch Zeit
verbleibt, werden die drei Schülerversuche
mit einer modernen Waschsubstanz als Demonstrationsversuche zur
Bestätigung wiederholt (Versuch 5).
Versuch 1: Zurück zum Text
Material: Kernseife, Indikatorpapier, Uhrglas.
Durchführung: Auf ein Stück Seife werden einige Tropfen
dest. Wasser gegeben. In die entstandene Seifenlösung wird
Indikatorpapier gehalten.
Beobachtung: Das Indikatorpapier färbt sich blau.
Interpretation: Die Blaufärbung weist auf eine alkalische
Reaktion hin.
Entsorgung: Abguß.
Versuch 2: Zurück zum Text
Material: Reagenzglas, Kernseifenlösung, Speisesessig.
Durchführung: In ein Reagenzglas mit Seifenlösung wird
Essig gegeben und vorsichtig geschüttelt.
Beobachtung: Trübung der Lösung.
Interpretation: Die Trübung der Lösung ist auf die
Entstehung von Fettsäuren zurückzuführen.
Entsorgung: Abguß.
Versuch 3: Zurück zum Text
Material: Reagenzgläser, Kernseifenlösung.
Durchführung: Zu den gleichen Mengen dest. Wasser und
Leitungswasser werden je zehn Tropfen Seifenlösung gegeben und
krätig geschüttelt.
Beobachtung: Im RG mit Leitungswasser kommt es zum Ausfall
eines flockigen Niederschlags. Im RG mit dest. Wasser ist im
Vergleich zum RG mit Leitungswaser eine stärkere Schaumbildung
festzustellen.
Interpretation: Die Calciumionen im Leitungswasser bilden
mit den Seifenanionen einen flockigen Niederschlag, die sog.
Kalkseife. Die vermehrte Schaumbildung im dest. Wasser ist auf
die größere, vorhandene Anzahl von Seifemolekülen
zurückzuführen.
Entsorgung: Abguß.
Versuch 4: Zurück zum Text
Material: Reagenzgläser, Kernseifenlösung, mit
Calciumionen angereichertes Wasser.
Vorbereitung: Leitungwasser mit Calciumionen anreichern.
Durchführung: Zu Leitungswasser, das mit Calciumionen
angereichert wurde, wird etwas Seifenlösung gegeben..
Beobachtung: Flockiger Niederschlag.
Interpretation: Die Calciumionen im Leitungswasser bilden
mit den Seifenanionen einen flockigen Niederschlag, die sog.
Kalkseife.
Entsorgung: Abguß.
Versuch 5: Zurück zum Text
Material: Reagenzgläser, Uhrglas, Speiseessig,
Indikatorpapier, seifenfreies Waschstück
Durchführung: Die Versuche 1-3 werden mit einer Lösung
des seifenfreien Waschstücks wiederholt.
Beobachtung: Es tritt keine alkalische Reaktion ein, keine
Reaktion mit Säuren und keine Kalkseifenbildung.
Interpretation: Das seifenfreie Waschstück reagiert nicht
alkalisch, und es sind keine Fettsäureanionen in der Lösung
enthalten die entweder mit Speiseessig zur Fettsäure oder mit
Calciumionen zur Kalkseife reagieren könnten.
Entsorgung: Abguß.
| Aldrich, Feinchemikalien, 1994-95, Riedstrasse 2, 89555 Steinheim | |
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|
| Wäschewaschen
zur Jahrhundertwende
[7] DIN A4 quer - (JPG 79K) |
Aqua - Test DIN A4 - (JPG 64K) |
Gefahrensymbole -
Gefahrenbezeichnung nach GefStoffV.
R - Sätze - Hinweise
auf besondere Gefahren.
S - Sätze -
Sicherheitsratschläge.
E - Sätze -
Entsorgungsratschläge.
[1] Bayrisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus:
Sicherheit im naturwissenschaftlichen Unterricht, München 1995.
[2] Duschner, A.: Chemie für bayrische Realschulen -
Jahrgangsstufe 9, Lehrerbuch und Arbeitsheft, Cornelsen-Verlag,
Berlin 1995.
[3] Häusler, K.: Experimente für den Chemieunterricht,
Oldenbourg, München 1991.
[4] Häusler, K./Pavenzinger W.: Unterricht Chemie, Band 1,
Säuren und Basen, Aulis Verlag, Köln 1992.
[5] Häusler, K.: Elemente der Zukunft - Chemie 1, Oldenbourg,
München 1989.
[6] Pfeifer, P./Reichelt, R.: Elemente der Zukunft - Chemie 1,
Ausgabe B, mit Arbeitsheft, Oldenbourg, München 1995.
[7] Bäurle, W., Gietz, P., et al.: Umwelt:
Chemie - Gesamtband, Klett Verlag, Stuttgart 1997.
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© Matthias Ritter, Petra Titze und Didaktik der Chemie, Universität Bayreuth. Stand: 02.09.1997.