Didaktik der Chemie / Universität Bayreuth

Stand: 20.09.10

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Terpene

Vortrag von Christina Werhahn im Rahmen der "Übungen im Vortragen mit Demonstrationen - Chemie", SS 08

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Gliederung:

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„Im 18. Jahrhundert lebte in Frankreich ein Mann, der zu den genialsten und zugleich berüchtigsten Gestalten jener Epoche gehörte. Er hieß Jean-Baptiste Grenouille. Und wenn sein Name heute in Vergessenheit geraten ist, so nur aus dem einem Grund, weil sich sein Genie und sein einziger Ehrgeiz auf ein Gebiet beschränkte, welches in der Geschichte keine Spuren hinterlässt ... das flüchtige Reich der Gerüche […] Grenouille roch alles wie zum ersten Mal. Und er roch nicht nur die Gesamtheit dieses Duftgemenges, sondern er spaltete es analytisch auf in seine kleinsten und entferntesten Teile und Teilchen“  Zitat aus „Das Parfüm“ von Patrick Süskind

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1 Eigenschaften

Terpene bilden eine große heterogene Gruppe mit mehr als 8000 Strukturen. Sie gehören zu den Naturstoffen und werden hauptsächlich aus Pflanzen-(bestandteilen), seltener aus tierischen Bestandteilen gewonnen. Es handelt sich hauptsächlich um flüchtige Stoffe, das heißt um relative kleine Moleküle. Erst dadurch wird eine Wahrnehmung durch Geruch möglich. Sie sind ein Hauptbestandteil der von Pflanzen produzierten ätherischen Öle.

Besonders bekannte Terpene sind beispielsweise Vitamine A, E, K und Kautschuk. Einige Terpene werden als Lösungsmittel verwendet, beispielsweise das in vielen Zitrusfrüchten enthaltene Limonen (siehe Versuch). Terpene lassen sich biosynthetisch von Isopreneinheiten ableiten, aufgrund dessen sich die Anzahl der Kohlenstoffatome stets durch fünf teilen lässt (C5- Regel). [1], [3]



Abb. 1: Isopreneinheit

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2 Klassifizierung  [1][2][3]

Die Benennung der Terpene erfolgt nach der Anzahl der enthaltenen Isopreneinheiten:

Bezeichnung Anzahl der Isopreneinheiten Anzahl der Kohlenstoffatome
Hemiterpene 1 C5
Monoterpene 2 C10
Sesquiterpene 3 C15
Diterpene 4 C20
Sesterpene 5 C25
Triterpene 6 C30
Tetraterpene 8 C40
Polyterpene > 8 > C40

Tab. 1: Benennung der Terpene

Weiter werden Terpene nach ihrer Struktur unterteilt:

Acyclisch:


 

Monocyclisch:


 

Bicyclisch:


 

Tricyclisch:


 

Polyterpene


 

Da die Isopren-Untereinheit ein asymmetrisches Molekül ist, werden drei verschiedene Verknüpfungsmuster unterschieden (biogenetische Isoprenregel).


Abb. 2: Einteilung in einen Kopf- und Schwanzbereich


Abb. 3: Verknüpfungsmuster

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3 Biosynthese  [2][3][4]

1. Schritt:

Die Biosynthese der Terpene im Cytosol beginnt mit aktivierter Essigsäure (Acetyl-CoA):

Durch eine biologische Claisen-Kondensation wird zunächst der aktivierte Acetessigester (Acetoacetyl-CoA) dargestellt. Dieser wird durch eine biologische Aldol-Reaktion weiter zu (S)-3-Hydroxymethylglutaryl-CoA umgewandelt, welches mit Hilfe von NADH zu Mevalonsäure reduziert wird.


 

2. Schritt:


 

Mit Hilfe von ATP wird die Mevalonsäure phosporyliert und damit aktiviert. Es entsteht Phosphomevalonsäure.

Durch weitere Phosphorylierungsschitte entsteht 3-Phospho-5-Pyrophosphomevalonsäure, welche zu Dimethylallylpyrophosphat (DMAPP) und Isopentenylpyrophosphat (IPP) führt.

DMAPP und IPP (deprotonierte Form) sind die aktiven Formen der Isopren- bzw. Isopentenyleinheiten. Sie sind somit die Grundgerüste, über die der gesamte weitere Terpenbiosyntheseweg erfolgt. Dabei wandeln Terpensynthasen diese Grundgerüste in die jeweiligen Terpene um.

 


 

3. Schritt: Darstellung der Monoterpene


 

IPP und DMAPP werden von der Geranylpyrophosphatsynthase zum Geranylpyrophosphat (GPP) verknüpft, welches das Grungerüst der Monoterpene ist. Durch Hydrolyse entsteht beispielsweise das Monoterpen Geraniol.


 

4. Schritt: Darstellung der Sesquiterpene


 

Die Farnesylpyrophosphatsynthase verknüpft ein DMAPP und zwei IPP zum Farnesylpyrophosphat (FPP). FPP ist das Grundgerüst der cytosolischen Sesquiterpene . Durch Hydrolyse entsteht beispielsweise das Sesquiterpen Farnesol.


 

5. Schritt: Darstellung der Diterpene


 

Die Synthese der Diterpene verläuft nach gleichem Muster: Eine Terpensynthase (hier Geranylgeranylpyrophosphatase) verknüpft die entsprechenden Grundgerüste DMAPP und IPP zum Geranylgeranylpyrophosphat.


 

6. Schritt: Darstellung der Triterpene


Die Darstellung der Triterpene verläuft über Farnesylphosphat. Zunächst entsteht aus zwei Einheiten Farnesylphosphat mit Hilfe der Squalensynthase Squalen. Squalen ist das Grundgerüst der Triterpene. Aus den Triterpenen können durch weitere Reaktionsfolgen Steroide gebildet werden. Plastochinone, Ubichinone und Kautschuk werden direkt aus Farnesylphosphat mit Hilfe der entsprechenden Enzyme gebildet.

7. Schritt: Darstellung der Tetraterpene


Natürliche Tetraterpene sind die etwa 150 bekannten Carotinoide. Sie werden mit Hilfe entsprechender Enzyme aus Geranylgeranylpyrophosphat dargestellt.

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4 Versuch [5]

 

Darstellung eines Lösungsmittels

Zeitbedarf: 15 Minuten
Ziel: Terpene
Material: großes Reagenzglas, Reagenzglaszange, Reagenzglasgestell, Bunsenbrenner, durchbohrter Stopfen, gewinkeltes Glasrohr, kleines Reagenzglas, (als Vorlage), Gefäß für kaltes Wasser zum Kühlen der Vorlage, Stativ, Muffe, Klammern
Chemikalien: Frische Schalen von Orangen, Zitronen oder Mandarinen,  Sudanrot-Lösung in Ethanol
Durchführung 1: Das große Reagenzglas wird bis zur Hälfte mit frischen, fein zerkleinerten Schalen gefüllt. Anschließend füllt man es mit Wasser auf, bis die Schalen gerade bedeckt sind. Das Reagenzglas wird mit Stopfen und eingestecktem Glasrohr verschlossen. Das Glas wird schräg in das Stativ eingespannt. Das freie Ende des Glasrohres mündet in das als Vorlage benutzte zweite Reagenzglas, welches mit Eiswasser gekühlt wird Die Mischung wird mit Hilfe eines Bunsenbrenners ca. 10 min zum Kochen gebracht.
Beobachtung 1: Über der Wasserphase bildet sich ein schwach gelbliches Öl.
Deutung 1: Im ätherischen Öl der Orangenschalen befindet sich das Monoterpen (+)-(R)-Limonen.

Durchführung 2: Zum besseren Erkennen des Terpenöls gibt man einige Milliliter Sudanrot-Lösung in das Reagenzglas.
Beobachtung 2: Die ölige Phase färbt sich rot.
Deutung 2: Aufgrund der Löslichkeit des Farbstoffs in der öligen Phase und seiner Unlöslichkeit in wässrigen Phasen, ist das entstandene schwach gelbliche Öl besser zu erkennen.
Quelle: http://www.chemieunterricht.de/dc2/nachwroh/nrv_07.htm

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5 Literatur:

[1] G. RÜCKER Sesquiterpene, Angew. Chem. 85, 895 (1973)
[2] http://www.chemie.fu-berlin.de/chemistry/oc/terpene/terpene.html (20.04.2008)
[3] http://www.chemie.uni-erlangen.de/oc/vostrowsky/natstoff/05Terpene.pdf (20.04.2008)
[4] www.biologie.uni-hamburg.de/b-online/d20/20b.htm (20.04.2008)
[5] http://www.chemieunterricht.de/dc2/nachwroh/nrv_07.htm

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