Saurer RegenEntstehung, Auswirkungen, GegenmaßnahmenVortrag von Doris Reithmeier im Rahmen der "Übungen im Vortragen mit Demonstrationen - Anorganische Chemie", WS 06/07
Gliederung:
1. Saurer Regen - Was ist das eigentlich?Das Phänomen des sauren Regens ist schon seit der Antike bekannt: z.B. wurde schon im antiken Rom beobachtet, dass in der Nähe von Bleiglanz verarbeitenden Metallfabriken Bäume abstarben. Zunächst – uns lange Zeit – hielt es sich aber bei Schäden durch sauren Regen um lokal begrenzte Phänomene. Erst seit Ende der 1950er / Anfang der 1960er Jahre ist die Verbreitung von saurem Regen in Europa beobachtet worden. In den 70er Jahren traten dann großflächige und vielfältige Schäden, die der saure Regen verursacht hatte, auf: In Schweden etwa waren Seen so versauert, dass sie ohne jegliches Leben waren. Sie hatten teilweise einen pH-Wert von weniger als 3, waren also in etwa so sauer wie Haushaltsessig. Als „sauer“ wird Regen mit einem pH-Wert unter 5,6 bezeichnet. Betrachtet man die pH-Wert-Skala, so sollte man eigentlich erwarten, dass Regen mit einem pH-Wert kleiner 7,0 als sauer bezeichnet wird. Tatsache ist aber, dass bereits der „normale“ Regen sauer ist. Dies kommt durch die Reaktion des Regenwassers mit Kohlenstoffdioxid zustande. Das Kohlenstoffdioxid, was in großer Menge von der Menschheit ausgestoßen wird, reagiert mit Wasser zu Kohlensäure:
CO2
+ H2O
2. Entstehung - Der chemische AspektWie oben berichtet wurde, kann der saure Regen nicht durch den hohen Ausstoß von Kohlenstoffdioxid entstehen. Verantwortlich für einen pH-Wert des Regens unter 5,6 müssen also andere Teilchen sein. Die Schadstoffe, die für den sauren Regen verantwortlich sind, sind Stickstoffmonoxid, Stickstoffdioxid und Schwefeldioxid. Diese kommen zwar auch ohne das Zutun des Menschen in der Natur vor: z.B. entstehen Stickstoffoxide bei Zersetzungsprozessen im Boden und Schwefeloxide werden von Vulkanen freigesetzt. Die Hauptmenge dieser Schadstoffe wird jedoch vom Menschen erzeugt und ausgestoßen: v. a. Bei der Verbrennung von fossilen Brennstoffen in Kraftwerken, Haushalten und Verkehr; Diese gasförmigen Oxide reagieren mit den Wassermolekülen in der Luft. Stickstoffoxide: 2 NO2+ H2O 2 HNO2 + O2
Schwefeloxide: SO2 + H2O
Die genaue Entstehung der Säuren in der Troposphäre kann mit Hilfe
der Abbildung 1 genauer erklärt werden. Die Vorgänge finden alle in der Troposphäre, das heißt, von den
untersten Luftschichten, bis in eine Höhe von ca. 10-12 km statt. Der Reaktionszyklus beginnt, wenn ein Photon ein Ozonmolekül trifft,
das entweder aus der Stratosphäre herunter gewandert ist, oder in der
Troposphäre durch stickstoff- und kohlenstoffhaltige Schadstoffe
gebildet wurde. Es entsteht ein Sauerstoffmolekül und ein sehr reaktives
Sauerstoffatom. O3
Dieses einzelne Sauerstoffatom reagiert mit einem Wassermolekül zu
zwei Hydroxylradikalen: O + H2O Ein Hydroxylradikal kann nun mit einem Molekül Stickstoffdioxid zu
Salpetersäure reagieren (gelb). .OH + NO2 Daneben kann ein Hydroxylradikal auch die Reaktion von Schwefeldioxid
zu Schwefelsäure auslösen (rot):
.OH + SO2 + O2
HO2 + SO3- + H2O
Das bei dieser Reaktion entstandene Hydroperoxylradikal
kann mit Stickstoffmonoxid zu Stickstoffdioxid und einem neuen
Hydroxylradikal reagiert; damit können weitere Reaktionen mit
Stickstoffdioxid und Schwefeldioxid beginnen.
HO2 + NO
Der saure Regen wirkt sich auf den Boden, Gewässer, Pflanzen und
Gebäude aus.
Wenn saurer Regen auf basischen Boden trifft, also z.B. Kalkboden,
kann die Säure neutralisiert direkt werden. Die im Boden vorliegenden
Hydrogencarbonat-Anionen reagieren mit den Protonen der Säure. In leicht sauren Böden findet ein sogenannter Kationenaustausch
statt: Bestimmte Metallionen, wie z.B. Calcium-und Magnesiumionen
ersetzen die Protonen der Säure: Sie werden von dem Sulfation
eingefangen, und mit diesem aus dem Boden herausgewaschen. Die
Wasserstoffionen bleiben im Boden zurück und werden von den
Hydrogencarbonationen neutralisiert. Die Pufferkapazität des Bodens kann jedoch irgendwann erschöpft sein;
dann wird die Säure an das Grundwasser, Bäche, Flüsse und Seen
weitergegeben. Wenn diese Gewässer keine basischen Ionen enthalten, die
die Säure neutralisieren können, wird auch dieses Wasser sauer. Folge
sind das Eingehen der Vegetation, veränderte Lebensformen, oder sogar
das komplette aussterben dieser Gewässer. Der saure Regen kann im Boden auch giftige Mineralien und
Schwermetallionen aus Gestein auswaschen. Beispielsweise Aluminium-,
Cadmium- oder Blei-Kationen. Diese können durch den Boden ebenfalls in
Gewässer gelangen. Sie können aber auch von Pflanzen als Nährstoffe
aufgenommen werden und so die Pflanzen vergiften. Da der saure Regen, wie eben beschrieben, auch die Nährstoffe
auswäscht, können Pflanzen in diesen Gebieten auch an Nährstoffmangel
leiden. Zudem wirkt der saure Regen auch direkt auf die Pflanzen, über
die Blätter. Folgen insgesamt sind, dass Pflanzen anfälliger für
Krankheiten werden, Blütenfarben gebleicht werden, bis hin zum Absterben
der Pflanzen. Auch Gebäude bleiben vom schädlichen Einfluss sauren
Regens nicht verschont
Saurer Regen greift insbesondere Sand- und Kalkstein an. Damit
verbunden ist eine Kristallvergrößerung. Das Bauwerk bröckelt.
CaCO3 + H2SO4
Ein Beispiel dafür, wie kostspielig die Sanierung solcher
Gebäudeschäden sein können: Allein für die Westminster Abby in London
wurden bis zum Jahr 1990 ungefähr 10 Millionen britische Pfund
ausgegeben, um Schäden des sauren Regens zu beseitigen.
Die erste Maßnahme, die in der Geschichte gegen die Auswirkungen des
Saueren Regens getroffen wurde, war, dass die Schornsteine von
Fabriken/Kraftwerken einfach höher gebaut wurden – mit dem Erfolg, dass
die Schadstoffe eben flächenmäßig weiter verteilt wurden. Daraufhin
begann man, Filteranlagen in Fabriken/Kraftwerke einzubauen. In
Deutschland wurde 1983 die „Großfeuerungsanlagen Verordnungen“ zur
Verringerung der Emissionen von Schwefeldioxid und Stickstoffoxiden aus
Kraftwerken erlassen. Mit Erfolg. Die Schadstoffemission aus der
Großindustrie wurde stark eingeschränkt. Um die Schäden auf Pflanzen und Boden zu reduzieren, werden an
manchen Orten die Wälder gekalkt Allerdings werden noch immer sehr
viele Schadstoffe von Haushalten und vom Verkehr ausgestoßen. In
Fahrzeuge werden zwar Katalysatoren eingebaut. Dennoch sollte der
Verbrauch an fossilen Brennstoffen in Motoren, Haushalt und Kraftwerken
eingeschränkt werden. Eine Maßnahme wäre hier, öffentliche Verkehrsnetze
weiter auszubauen und andere, v.a. regenerative Energien mehr zu
fördern.
G.E. Likens, et.al. Saurer Regen. Spektrum der
Wissenschaft. 12/1979. 73-78.
V.A. Mohnen. Maßnahmen gegen den sauren Regen. Spektrum der
Wissenschaft. Okt. 1988. 82-91.
http://dc2.uni-bielefeld.de/dc2/abgas/sauerreg.htm
(Stand: 15.12.2006)
http://de.wikipedia.org/wiki/Saurer_Regen
(Stand:15.12.2006)
http://193.171.252.18/www.lehrerweb.at/ms/ms_arb/gw/saubere_luft/ E-Mail: Walter.Wagner ät uni-bayreuth.de,
Stand:
20.09.10 |