Didaktik der Chemie / Universität Bayreuth Stand: 20.09.10 |
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Phosphor: Oxide und Sauerstoffsäuren
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Vortrag von Daniela Degenkolb im Rahmen der "Übungen im Vortragen mit Demonstrationen - AC", WS 2000/2001
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Gliederung:
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Einstieg: Wiener Würstchen und Cola-Getränk. Diese zwei Dinge haben direkt mit dem Vortrag über Phosphoroxide und Phosphorsauerstoffsäuren zu tun. Während Wiener verschiedene Phosphate enthalten, wird dem Cola-Getränk Phosphorsäure zugesetzt. Auf diese und andere Vertreten der Phosphorverbindungen wird in diesem Vortrag näher eingegangen. Phosphate stehen in dem Ruf Hyperaktivität bei Kindern zu verursachen und viele besorgte Eltern stehen dem unwissend gegenüber. Als erstes will ich einen allgemeinen Überblick über die Phosphor Oxide und Sauerstoffsäuren geben und dann anhand von Beispielen exemplarisch einige dieser Verbindungen näher besprechen. Zum Schluss will ich noch auf die Bedeutung und den Einsatz dieser Verbindungen eingehen.
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Phosphor steht in der 5. Hauptgruppe und hat somit 5 Außenelektronen und weist die folgende Elektronenkonfiguration auf:
P [Ne]3s23px13py13pz1
Das Element kommt wegen seiner großen Affinität zum Sauerstoff nie elementar vor, sondern nur in gebundener Form, meist als Phosphat.
Das bedeutendste Mineralphosphat ist Apatit Ca5(PO4)3(OH,F;Cl).
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Aufgrund seiner Elektronenverteilungen kann Phosphor in den Oxidationsstufen von -3 bis +5 vorliegen:
OSt. |
Verbindungen | Sauerstoffsäuren | Namen der Sauerstoffsäuren | Salze der Sauerstoffsäuren |
| -3 | PH3 | |||
| -2 | P2H4 | |||
| -1 | (PH)n | |||
| 0 | P4 | |||
| +1 | H3PO2 | Phosphinsäure | Phospinate | |
| +2 | H4P2O4 | Hypodiphosphonsäure | Hypodiphosphonate | |
| +3 | P4O6 | H3PO3 H4P2O5 |
Phosphonsäure Diphosphonsäure |
Phosphonate Diphosphonate |
| +4 | P4O8 | H4P2O6 | Hypodiphosphorsäure | Hypodiphosphate |
| +5 | P4O10 | H3PO4
H3PO5 H4P2O7 H4P2O8 |
Phosphorsäure Peroxophosphorsäure Diphosphorsäure Peroxodiphosphorsäure |
Phosphate Peroxophosphate Diphosphate Peroxodiphosphate |
Es gibt natürlich auch noch andere Phosphorverbindungen wie z.B. Phosphazene, Phosphorhalogenide, Phosphorsulfide sowie Phosphor-Stickstoff-Verbindungen.
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Phosphor bildet 5 monomolekulare Oxide P4On (n = 6,7,8,9,10) und mehrere hochmolekulare Oxide (P2O5)x.
| Phosphor(III)-oxid
Tetraphosphorhexaoxid P4O6 |
Phosphor(V)-oxid
Tetraphosphordecaoxid P4O10 |
Darstellung: |
Darstellung: Verbrennung von Phosphor mit Sauerstoffüberschuss P4 + 5 O2 -> P4O10 H°B= -2986 kJ/mol |
| Anhydrid der Phosphonsäure P4O6 + 6 H2O -> 4 H3PO3 |
Anhydrid der Phosphorsäure P4O10 + 6 H2O -> 4 H3PO4 |
| Wachsartige weiße Kristalle | Weißes geruchloses Pulver |
| Giftig | |
| Struktur: Ableitung vom P4Tetraeder; in jede P-P Bindung ist ein Sauerstoffatom unter Aufweitung des PPP Winkels eingeschoben (P-O-P) |
Struktur: Jedes Phosphoratom ist tetraedrisch von Sauerstoffatomen umgeben |
| Stark hygroskopisch P4O10 -> -> -> -> H3PO4 Verwendung als Trockenmittel in Exsikkatoren. |


Folie 1: Strukturen der Oxide
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Einteilung der Sauerstoffsäuren:
| Orthosäuren | Wasserarme Metasäuren | Disäuren | Polysäuren |
H3POn n = 2,3,4,5,6 |
HPOn-1 n = 3,4 |
H4P2On n = 4,5,6,7,8 |
Hn+2PnO3n+1 n = 3,4,... |
In den Phosphorsäuren sind die Phosphoratome immer tetraedrisch koordiniert.
Struktur:

| Eigenschaften | Darstellung |
| Einwertige Säure (pKS= 1.23) Salze: Phosphinate |
P4 + 6 H2O -> PH3 + 3 H3PO2 (Disproportionierung) |
| Starkes Reduktionsmittel Ox.: H3PO2 + H2O -> H3PO3 + 2e- + 2H+ Red.: Cu2+ + 1e- -> Cu+ |
P4 + 2Ba(OH)2 -> 2Ba(H2PO2)2 2Ba(H2PO2)2 + 2 H2SO4 -> 4 H3PO2 + 2 BaSO4 |
Struktur:

| Eigenschaften | Darstellung | Verwendung |
| Zweiwertige Säure Salze: Hydrogenphosphonate, Phosphonate |
PCl3 + 3 H2O -> H3PO3 + 3 HCl | Herstellung von Bleiphosphonat (PVC-Stabilisator) |
| Starkes Reduktionsmittel Ox.: H3PO3 + H2O -> H3PO4 + 2e- + 2H+ Red.: Cu2+ + 2e- -> Cu |
P2O3 + 3 H2O -> 2 H3PO3 (über das Anhydrid) |
Reduktionsmittel |
Struktur:

| Eigenschaften | Darstellung | Bedeutung |
| Dreiwertige Säure pKS1 = 2.161 pKS2 = 7.207 pKS3 = 12.325 Salze: Dihydrogenphosphate, Dihydrogenphosphate, Phosphate |
Technische Darstellung aus Ca3(PO4)2 (Apatit) - nasser Aufschluss (20-50%-ige Lösung) Ca3(PO4)2 + 3 H2SO4 -> 3 CaSO4 + 2 H3PO4 - trockener Aufschluss ( 80-90%-ige Lösungen) Ca3(PO4)2 + 6 SiO2 + 10 C -> P4 + 6 CaSiO3 + 10 CO P4 + 5 O2 -> P4O10 P4O10 + 6 H2O -> 4 H3PO4 |
Puffersystem Zusatzstoff in Lebensmitteln |
| Starkes Reduktionsmittel |
P2O5 + 3 H2O -> 2 H3PO4 (über das Anhydrid) |

Folie 2 :Pufferwirkung der Phosphorsäure
Bei einem pH-Wert von -0.5 ist nur undissoziierte Phosphorsäure vorhanden. Bei einem pH-Wert von 2 liegt die eine Hälfte als undissoziierte Phosphorsäure, die andere als Dihydrogenphosphationen vor. Die Konzentration an Dihydrogenphosphationen nimmt zu, bis beim pH-Wert von 4.5 nur noch Dihydrogenphosphationen vorliegen. Der weitere Zusatz von Lauge führt zur Bildung von Hydrogenphosphationen, bis schließlich bei einem pH-Wert von 9.5 nur noch Hydrogenphosphationen vorliegen. Danach kommt es zur Bildung der Phosphationen.
Man kann aus dem Diagramm ablesen, dass Phosphorsäurelösungen mittelstark sauer (pH=0), Dihydrogenphosphatlösungen schwach sauer (pH = 4.5), Hydrogenphophatlösungen schwach basisch (pH = 9.5) und Phosphatlösungen stark basisch (pH = 14.5) reagieren. Ein gutes Puffersysthem im pH-Bereich von 6 bis 8 ist ein Gemisch aus Dihydrogenphosphat- und Hydrogenphosphatione (es puffert im Bereich von 90% H2PO4- und 10% HPO42- bis zu 10% H2PO4- und 90% HPO42- ).
Da Phosphorsäure eine dreiwertige Säure ist müsste man eigentlich drei pH-Sprünge sehen. Tatsächlich kann man aber nur zwei erkennen, da der dritte im Bereich des pH-Wertes von 12.15 auftritt und somit außerhalb des Messbereiches liegt.
Grobanleitung für die Titration von Phosphorsäure in Coca Cola:
Als erstes muss die in der Cola enthaltenen Kohlensäure entfernt werden, um das
Titrationsergebnis nicht zu verfälschen. Wegen der Eigenfarbe der Coca Cola kann man
keinen Indikator einsetzen. Cola light ist nicht für die Titration geeignet, da
zusätzlich noch Zitronensäure enthalten ist. 150 ml Coca Cola werden zugedeckt und unter
ständigem Rühren erhitzt (Funktion: Entfernung der Kohlensäure). Nach Abkühlung
entnimmt man 100 ml und titriert diese mit c (NaOH) = 0,1mol/l. Dabei wird die
pH-Wertänderung gegen das verbrauchte Volumen an Natronlauge aufgezeichnet.
Phosphorsäure wird der Coca Cola zugesetzt, um das Durstgefühl zu verstärken, um zu
Konservieren und den Zuckergeschmack zu überdecken. (Ausführliche
Anleitung)
Pflanzen nehmen Phosphor als Orthophosphationen auf. Das in der Natur häufig vorkommende unlösliche Ca3(PO4)2 (Apatit) muss in eine lösliche Form überführt werden. Der Aufschluss kann mit halbkonzentrierter Schwefelsäure (Superphosphat) oder mit Phosphorsäure (Doppelsuperphosphat) erfolgen.
| Superphosphat (unlösliches CaSO4 / lösliches Ca(H2PO4 )2) |
Doppelsuperphosphat (lösliches Ca(H2PO4 )2) |
| Ca3(PO4)2 + 2 H2SO4 -> Ca(H2PO4 )2 + CaSO4 | Ca3(PO4)2 + 4 H3PO4 -> 3 Ca(H2PO4 )2 |
Es gibt aber nicht nur reine Phosphatdüngern, sondern auch Mischdünger z.B. in Kombination mit Stickstoff.
Eutrophierung:
Folie 3: Phosphorbelastung im Bodensee
Gesamtphosphorgehalt:
Ortho-Phosphat z.B. in Düngmittel
Pentanatriumtriphosphat als Wasserenthärter in Waschmitteln Komplexbildner, der mit den mehrwertigen Metallionen unter Chelatbildung reagiert und dadurch die Ausfällung schwerlöslicher Metallseifen verhindert. Sie halten die Ionen während des Waschvorgangs in Lösung.
Schutz vor Phosphaten:
Verbot von Phosphaten in Waschmitteln
Einführung der dritten chemischen Reinigungsstufe in Kläranlagen (Fällung des Phosphats durch Eisen(II)-chlorid oder Aminiumsulfat)

Folie 4: Eutrophierung
Eine Phosphatüberdüngung führt aufgrund der erhöhten Mineralkonzentration zu verstärktem Algenwachstum und der starken Vermehrung der daran anschließenden Nahrungskette. In den oberen Gewässerschichten reichert sich Sauerstoff an (Sauerstoffüberschuss). Abgestorbene Organismen sinken auf den Grund und werden von Mikroorganismen zersetzt (Aerober Vorgang). Es entstehen mit der Zeit anaerobe Bedingungen, da der Sauerstoff nicht in gleichem Maße eingetragen werden kann. Das Gewässer kippt um. Durch die nun anaeroben Abbauprozesse der Fäulnisbakterien werden giftige Gase wie Ammoniak, Methan, Schwefelwasserstoff gebildet. Unter diesen Bedingungen sterben viele Arten von Lebewesen ab.
Phosphat sind für uns lebensnotwendig:

Folie 5: ATP
Kennzeichen von Aufmerksamkeitsstörungen und Hyperaktivität: Nicht lange konzentrieren können, Desorganisation, Stressintoleranz, Zappelphilipp. Nicht nur Kinder sind davon betroffen, sondern auch Erwachsene. Mit einer Therapie und Medikamenten kann diese Krankheit behandelt werden. Sie wird genetisch vererbt, man nimmt aber an das äußere Ursachen wie z.B. übermäßiger Phosphateinnahme (v.a. Polyphosphate) diese Krankheit begünstigen. Dies ist aber nicht genau geklärt.
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| Holleman-Wiberg, Lehrbuch der anorganischen Chemie, 101. Auflage, de Gruyter Verlag Berlin, 1995. | |
| Greenwood N.N., Earnshaw A., Chemie der Elemente, VCH, 1990. | |
| Grunwald, B.; Scharf, K.-H.: Elemente Chemie Bayern 13 (Schulbuch), Klett Verlag, Stuttgart, 1998. | |
| Falbe J., Regitz M., Römpp Chemie Lexikon,Georg Thieme Verlag, Stuttgart,1989 | |
| H. Hafer: Die heimliche Droge Nahrungsphosphat, Hüthig-Verlag, Heidelberg 1998. | |
| http://www.asn-linz.ac.at/schule/chemie/cola.htm, (20.03.2001) |
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E-Mail: Walter.Wagner ät uni-bayreuth.de
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