Didaktik der Chemie / Universität Bayreuth Stand: 03.02.05 |
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Vortrag von Petra Kleinert im Rahmen der "Übungen im Vortragen mit Demonstrationen -
AC", WS 98/99
Stand
03.02.05
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1. |
Einleitung |
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Katalyse bedeutet man kontrolliert
etwas. Der Katalysator sorgt für den Motor, er ist ein Staubsauger, der schlechte Sachen
herausholt. Das haben mir Kinder im Alter von 10 12 Jahren aus der 5.
Jahrgangsstufe eines Gymnasiums geantwortet auf die Frage, was sie sich unter Katalyse und
Katalysator vorstellen. Wenn man Sprintern Ameisen in die Hose steckt, laufen sie schneller. Also sind die Ameisen der Katalysator. Vor allem jüngere Kinder denken bei Katalysator sofort an den Abgaskatalysator. Kein Wunder, denn er spielt für jeden von uns täglich eine große Rolle. |
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2. |
Der Abgaskatalysator |
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| Mit den Abgaskatalysatoren oder richtiger den
katalytischen Reaktoren oder Konvertern kann der Ausstoß von Kohlenwasserstoffen, CO und
Stickoxiden bis über 90% verringert werden. Als Katalysator wird, wie in der Chemie nur
das Trägermaterial mit der katalytisch aktiven Beschichtung bezeichnet (Quelle
für Demonstrationsmaterial). Als Trägermaterial wird ein Keramikkörper verwendet, in dessen feinen Kanälen das eigentlich katalytische Material aufgebracht ist. Bei den heute gängigen 3-Wege-Katalysatoren sind dieses 0,8 bis 1,7 g eine Mischung von Platin, Rhodium und Palladium pro Liter Katalysatorvolumen. Kein Wunder, dass mit einer benötigten Menge von 52 t dieser Edelmetalle pro Jahr, der Abgaskatalysator das größte Anwendungsgebiet für edelmetallhaltige Katalysatoren ist. An diesen Metallen findet die Oxidation von Kohlenmonoxid und Kohlenwasserstoffen zu Kohlendioxid, und die Reduktion von Stickoxiden zu Stickstoff statt. |
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3. |
Katalysatoren in der Technik |
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| Aber auch viele andere Dinge unseres alltäglichen Lebens gäbe es nicht, bei denen man nicht sofort vermuten würde, dass ein Katalysator zur Herstellung der Ausgangsverbindungen nötig ist. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
3.1. |
Die Salpetersäuredarstellung |
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| So wird Pt ebenso als Katalysator zur Herstellung einer
Substanz benötigt, ohne die es eine Vielzahl von Düngemitteln, Farbstoffen, Lacken,
Kunstleder und Pharmazeutika nicht gäbe, nämlich die Salpetersäure. Selbst im Zweiten
Weltkrieg war Salpetersäure für die Deutschen von Bedeutung, da sie als
Raketentreibstoff verwendet wurde. Den deutschen Chemikern wurde außerdem vorgeworfen sie
hätten den ersten Weltkrieg verlängert. Bis zur Entwicklung des Haber-Bosch-Verfahrens
kurz vor Beginn des ersten Weltkrieges wurde Salpetersäure nämlich aus Chilesalpeter
gewonnen. Folglich hätte eine Seeblockade den Deutschen den Nachschub an Chilesalpeter
abgeschnitten und so die weitere Produktion von Salpetersäure verhindert. Durch die
Entwicklung des Haber-Bosch-Verfahrens konnte Salpetersäure auch technisch durch das oben
beschriebene Verfahren hergestellt werden. Zur Salpetersäuredarstellung wird das Ostwald-Verfahren verwendet, bei dem NH3 katalytisch zu NO oxidiert wird. Ein NH3-Luft-Gemisch wird bei 800-900 °C über einen Platinnetz-Katalysator geleitet, wobei NO entsteht. Dieses reagiert mit Luftsauerstoff zu NO2, das überwiegend zu N2O4 dimerisiert. Durch Einleiten von N2O4 in Wasser entsteht
durch Disproportionierung Salpetersäure und Salpetrige Säure. Die HNO2 ist
instabil und disproportioniert zu HNO3 und NO, das wieder in den Prozess
eingeht. |
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3.2. |
Die Ammoniaksynthese durch das Haber-Bosch-Verfahren |
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| Bei einem anderen wichtigen industriellen Prozess ist
auch ein Metall als Katalysator von großer Bedeutung. Beim Haber-Bosch-Verfahren läßt
man ein Gemisch aus H2 und N2 bei 200 bar Druck und 475-600°C in
röhrenförmigen Kontaktöfen reagieren. Die Öfen sind innen mit einer Schicht aus weichem,
kohlenstoffarmem Eisen als Schutz des Stahlmantels ausgekleidet. Der Katalysator besteht
heute aus haselnussgroßen Körnern, aus feinporösen a-Eisen-Kristallen. |
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3.3. |
Die Schwefelsäuredarstellung mit dem Kontaktverfahren |
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| Mit einer viel größeren Jahresproduktion von 3,7 Mio
t in Deutschland ist auch die Schwefelsäure eine technisch wichtige Ausgangssubstanz. Zur
Herstellung wird das Kontaktverfahren angewendet, dem ein Gleichgewicht zugrunde liegt. Da bei RT SO2 und O2 praktisch nicht miteinander reagieren, und das GG bei höheren Temperaturen auf der Seite von SO2 liegt, wird ein Katalysator verwendet. Dazu dient V2O5 auf SiO2 als Trägermaterial. Dabei findet ein Valenzwechsel vom 5-wertigen zum 4-wertigen Vanadium statt und der Katalysator wird durch eine Oxidation regeneriert. SO3 wird anschließend in konz. Schwefelsäure gelöst und die sich bildende Dischwefelsäure mit Wasser umgesetzt. |
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4. |
Arten der Katalyse |
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| Wie lässt sich die katalytische Wirkung all dieser Substanzen erklären? | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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4.1. |
Heterogene Katalyse |
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| Sowohl die Metalle Platin, Rhodium, Palladium und
Eisen, aber auch das Metalloxid V2O5 gehören zu den heterogenen
Katalysatoren. a) Definition Bei der heterogenen Katalyse liegen Katalysator und Reaktand in verschiedenen Phasen vor, das heißt Gasreaktionen und Reaktionen in Lösungen werden durch feste Katalysatoren beschleunigt. Zu dieser Gruppe gehören neben den oben bereits erwähnten Metallen und festen Metalloxiden auch Metallsalze oder Enzyme, die an Kompartimente gebunden sind. Beispiel: Zersetzung von Wasserstoffperoxid (Versuch 1) Abb. 1: Modellvorstellung zur Aktivierung von
N2 durch Fe-Oberflächen Dies ist allerdings nur eine Modellvorstellung und es
ist auch möglich, dass die Dreifachbindung zwischen den Stickstoffatomen nicht
vollständig aufgelöst wird, sondern sofort nach Auflösung einer Bindung die Reaktion
zum Diimin und im nächsten Schritt Hydrazin an der Eisenoberfläche gebildet wird. |
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4.2. |
Homogene Katalyse |
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| a) Definition Deshalb hat man Katalysatoren entwickelt, die in der gleichen Phase vorliegen, wie die Edukte der zu katalysierenden Reaktion. Dies hat den Vorteil, dass die Katalysatormoleküle überall in der Lösung vorhanden sind und jedes einzelne Molekül katalytisch wirksam ist und nicht nur die äußerste Schicht, wie bei heterogenen Katalysatoren. Solche Katalysatoren heißen homogene Katalysatoren. Dazu gehören Säuren und Basen oder Metallsalzlösungen, die als Katalysatoren wirken. So sind jedem von euch eine Vielzahl von Reaktionen aus der organischen Chemie bekannt, die säure- oder basenkatalysiert ablaufen, zum Beispiel die Bildung von Halbacetalen und Acetalen, die unter Säurekatalyse verläuft oder die basenkatalysierte Esterhydrolyse. Ein Beispiel aus der anorganischen Chemie (Versuch 2) für die katalytische Wirkung von Metallsalzlösungen ist die Oxidation von schwefelsaurer Oxalsäure durch eine Kaliumpermanganat-Lsg. Neben den bereits erwähnten homogenen Katalysatoren gewinnen zunehmend die Komplexe der Übergangsmetalle, dabei auch die Carbonyl-, p-Allyl-, und Aromaten-Komplexe, also metallorganische Verbindungen, an Bedeutung. Zu den Aromatenkomplexen zählen u. a. die Metallocenkatalysatoren oder Bis(h-cyclopentadienyl)-Metall-Komplexe. Ein Vertreter ist das Ferrocen, bei dem ein Fe2+-Kation koordinativ über die p-Elektronen des Cyclopentadienyl-Anions C5H5 mit aromatischem Charakter gebunden ist. Vor allem Metalle, bei denen leicht Wertigkeitsänderungen auftreten, also viele Nebengruppenmetalle eignen sich in Form von komplexen Cluster-Verbindungen besonders zur homogenen Katalyse und als feste Metallsalze und Oxide auch zur heterogenen Katalyse. Die Edel- und dabei insbesondere die Platinmetalle, spielen ebenso als Komplexe eine große Rolle bei der homogenen und der heterogenen Katalyse. b) Beispiel für eine technische Anwendung Zum Beispiel die Herstellung von Acetaldehyd aus Acetylen kann durch einen katalytischen Prozess, dem so genannten Wacker-Verfahren, mit dem billigeren Ethylen erfolgen. Abb. 2: Katalytischer Prozess am Beispiel des
Wacker-Verfahrens Dabei wird ein aus Ethen hergestellter Ethen-Chlorokomplex des Palladiums mit Wasser umgesetzt. Es entsteht rasch Acetaldehyd und Palladiummetall. Die Reoxidation von Pd0 zu Pd2+, die durch die Reduktion von Cu2+ zu Cu+ erfolgt, stellt PdCl2 als Katalysator wieder her. |
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4.3. |
Autokatalyse |
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| Eine Sonderform der Katalyse ist die Autokatalyse, bei der der Katalysator erst während der Reaktion entsteht. Das heißt als Katalysator wirkt eines der Reaktionsprodukte und die Reaktion wird umso stärker katalysiert je mehr Reaktionsprodukt bereits entstanden ist. Ein Beispiel hierfür ist die vorhin im Versuch gezeigte Oxidation von schwefelsaurer Oxalsäure durch Permanganationen. Setzt man nicht Mn2+-Ionen als Katalysator von außen zu, so wirken die während der Reaktion entstehenden Mn2+-Ionen autokatalytisch. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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5. |
Eigenschaften von Katalysatoren |
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| Mit dem bisher Erwähnten kann man die Eigenschaften
eines Katalysators nochmal zusammenfassen: Katalysatoren sind Stoffe, die in den Reaktionsmechanismus eingreifen, aber selbst durch die Reaktion nicht verbraucht werden. Sie setzen die zur Reaktion nötige Aktivierungsenergie herab und beschleunigen die Reaktion, verändern aber nicht die Lage des Gleichgewichts. Das sind die fünf wesentlichen Merkmale eines Katalysators. Die Wirkungsweise des Katalysators besteht darin, dass durch seine Anwesenheit Reaktionswege eröffnet werden, in denen die Übergangszustände (aktivierten Komplexe) zu jeder Zeit eine niedrigere Energie haben. Das Energiediagramm veranschaulicht dies. Abb. 3: Energiediagramm einer Reaktion mit
und ohne Katalysator |
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6. |
Schluss |
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| Die Aussage von dem elfjährigen Jungen, dass durch den
Katalysator schädliche Stoffe aus den Abgasen gefiltert werden ist also nicht richtig,
vielmehr wird die Umwandlung in weniger schädliche Substanzen ermöglicht. Der Vergleich
mit den Ameisen trifft allerdings das Wesen eines Katalysator ziemlich gut. Dadurch wird
nämlich die Reaktion, also das schnelle laufen beschleunigt. Katalysatoren beschleunigen z. T. Reaktionen so sehr, dass eine unglaublich hohe Anzahl von Umsätzen pro Sekunde an einem Molekül stattfinden. Bei einem bestimmten Metallocenkatalysator erfolgen bis zu 10 000 Umsätze pro Sekunde pro Molekül. Damit ging der Katalysator, der hier an der Universität Bayreuth bei Prof. Dr. Helmut G. Alt am Lehrstuhl für Anorganische Chemie II synthetisiert wurde, ins Buch der chemischen Rekorde ein. |
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7. |
Versuche |
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Versuch 1: katalytische
Zersetzung von Wasserstoffperoxid
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8. |
Zusatzinformation |
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9. |
Literatur |
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| Lit.1: E. Riedel, Anorganische Chemie, Walter de
Gruyter Verlag, Berlin 1990. (S. 285 ff) Lit.2: R. E. Dickerson, I. Geis, Chemie, Verlag Chemie, Weinheim 1983. (S. 366 ff, 377 f) Lit.3: C. E. Mortimer, Chemie, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1996. Lit.4: A. F. Holleman, E. Wiberg, Lehrbuch der Anorganischen Chemie, Walter de Gruyter Verlag, Berlin 1985. Lit.5: Römpp, Chemielexikon |
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© by Petra Kleinert