Didaktik der Chemie / Universität Bayreuth

Stand: 20.09.10

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Mineraldünger

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Vortrag von Katja Meisel im Rahmen der "Übungen im Vortragen mit Demonstrationen - Anorganische Chemie", WS 2001/2002

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Gliederung:

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1. Geschichte

Die großen Ertragssteigerungen in der landwirtschaftlichen Produktion der letzten Jahrzehnte lassen sich in starkem Maße auf den hohen Einsatz von Düngern zurück führen. Heute steht eine Vielzahl von Düngemitteln zur Verfügung. Zunächst teilt man in organische Dünger und Mineraldünger ein, wobei die Mineraldüngung einen hohen Stellenwert in der Landwirtschaft hat. Eine ausreichende Versorgung von Boden und Pflanzen mit Nährstoffen ist unerlässlich für ein optimales Pflanzenwachstum und für die Ertragssicherheit, denn ohne Dünger wäre die Landwirtschaft heute nicht mehr in der Lage, die wachsende Bevölkerung zu ernähren, weil die Böden sehr ausgelaugt sind. Bereits vor 160 Jahren fand der Chemiker Justus von Liebig heraus, welche Nährstoffe das Wachstum der Pflanzen fördern und wollte mit Hilfe der Chemie diese auf die Äcker ausbringen. Er entwickelte unter anderem verschiedene Mineraldünger (Nitrat-, Phosphatdünger). Um heutzutage sichere Erträge und hohe Qualität erzielen zu können, ist es wichtig zu wissen, wie der Boden beschaffen ist und was die Pflanze braucht, die dort wachsen soll.

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2. Bestandteile im Dünger und deren Wirkung

Stickstoff (N):
bulletVorkommen in der Luft und in Form von Nitraten
bulletLagerstätten von Kaliumnitrat auf der Hochebene von Chile
bulletOhne Stickstoff bleiben die Pflanzen klein, bilden nicht genug grünen Farbstoff und kleine Frust- und Notblüten
bulletStickstoff wird dem Boden in Form von Salpeter (Nitration) oder Ammoniumstickstoff (Ammoniumkation) zugeführt (die Pflanzen können ihn so direkt aufnehmen, es sind keine Bodenbakterien zum Aufschließen nötig)
bulletz.B. Kalkammonsalpeter (Gemisch von Ammoniumnitrat und Calciumcarbonat).

Phosphor (P):
bulletVorkommen in Rohphosphaten (Apatit, Phosphorit) und in Derivaten der Phosphorsäure
bulletLagerstätten in Afrika, Florida und im Nahen Osten
bulletPhosphor ist für die Chlorophyllbildung unverzichtbar, er sorgt für kräftige Wurzeln und fördert die Entwicklung von Blättern, Blüten und Fruchtansätzen
bulletPhosphor wird dem Boden in Form von Calcium- oder Ammoniumphosphaten zugeführt
bulletz.B. Thomasmehl (Ca5[SiO4(PO4)2]) (= 5 CaO*P2O5*SiO2)

Kalium (K):
bulletVorkommen in Form von Kaliumsalzen (Chlorid, Nitrat, Sulfat),  Bestandteil vieler Mineralien (Feldspat M(AlSi3O8)) und Gesteine (Granit, Hauptbestandteil: Kalifeldspat und Quarz)
bulletLagerstätten in Strassfurt, Elsaß, New Mexiko
bulletKalium regt den Stoffwechsel der Pflanze an und sorgt für feste Zellwände (besonders wichtig bei stärkehaltigen Früchten, die eingelagert werden sollen, z.B. Kartoffel), Kalium fördert auch die Reifung und Widerstandsfähigkeit
bulletZufuhr in Form von Salzen
bulletz.B. Kalimagnesia (K2Mg(SO4)2*6 H2O) = Kaliummagnesiumsulfat, Gewinnung aus Kieseritlösung und Kaliumchlorid

Kalk (CaCO3)
bulletVorkommen in Mineralien und Gesteinen (Kalkstein, Marmor, Jura, Muschelkalk)
bulletbegünstigt die Festigkeit der Pflanzen
bulletKalk wirkt im Boden lockernd und keimtötend, er fördert die Zersetzung organischer Stoffe und neutralisiert die dabei entstehenden Säuren
bulletz.B. Kalkmergel (CaCO3, wird aus natürlich vorkommenden Kalkgesteinen und anderen mineralischen Beimengungen gewonnen)

Magnesium (Mg):
bulletMagnesium hilft bei der Photosynthese
bulletin der Erde bindet es Basen
bulletdem Boden wird Magnesium in Form von Carbonaten, Sulfaten und Chloriden zugeführt
bulletz.B. Kaliummagnesiumsulfat.

Spurenelemente wie Schwefel, Eisen, Mangan, Bor, Zink und Kupfer sind unverzichtbar, aber nur in minimalen Dosen nötig.

Da jeder Stoff eine bestimmte Wirkung hat, kommt es bei der Zusammensetzung des Düngers auf die ausgewogene Mischung an, denn herrscht Mangel an einem Element, wird auch von den ausreichend vorhandenen nicht genug verwertet.

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3. Herstellung

Stickstoffdünger:

Die Herstellung erfolgt durch die Ammoniaksynthese bzw. Haber-Bosch-Verfahren. Der Luftstickstoff wird hierbei mit Wasserstoff bei hohem Druck, hoher Temperatur und mit Hilfe von Katalysatoren zu Ammoniakgas verarbeitet.

N2 + 3H2 --> 2NH3

Damit können in Folgeverfahren andere Stickstoffverbindungen großtechnisch hergestellt werden.

z.B. Ammonium (NH4+): Wird Ammoniak in Wasser eingeleitet, entsteht Ammoniumlauge (Salmiakgeist).

NH3 + H2O --> NH4OH

Diese ergibt mit Säuren Ammoniumsalze.

2NH4OH + H2SO4 --> (NH4)2SO4 + 2H2O

z.B. Nitrate (NO3-): Diese sind Salze der Salpetersäure (HNO3). Salpetersäure lässt sich durch Oxidation des Ammoniaks zu Stickstoffdioxid (NO2) und dessen Einleitung in Wasser technisch gewinnen.

Wichtige Nitrate für die Düngung:

NaOH    +   HNO3     -->      NaNO3   +   H2O

Ca(OH)2    +   2HNO3     -->      Ca(NO3)2   +    2H2O

NH4OH    +   HNO3     -->      NH4NO3   +   H2O

Phosphatdünger:

Es kommt vor allem darauf an, die schwerlöslichen tertiären Phosphate in leichter lösliche sekundäre oder primäre Phosphate umzuwandeln. Im Wesentlichen gibt es dazu drei Möglichkeiten:
bulletsehr feines Vermahlen: Die Vergrößerung der Gesamtoberfläche erhöht die Löslichkeit im Boden (Die so behandelten Phosphate kommen als Hyperphosphat in den Handel)
bulletZugabe von Säuren: Dadurch werden tertiäre Rohphosphate in primäre Rohphosphate umgesetzt
bulletGlühen: Beim Erhitzen des Rohphosphates auf etwa 1300 °C werden dagegen sekundäre Phosphate in tertiäre umgesetzt

Kalidünger:

Die Kalirohsalze werden fein gemahlen. Anschließend wird mit Hilfe des Heißlöse- bzw. Flotationsverfahren (Aufbereitungsverfahren für Erze, Kohle, Salze) oder auf elektrostatischem Wege Kaliumchlorid und Kieserit (Magnesiumsulfat) von den Rohsalzen getrennt. Je höher der Kaliumgehalt in dem gewünschten Düngemittel liegen soll, desto mehr Nebenbestandteile müssen abgetrennt werden.

Kalkdünger:

Die Herstellung erfolgt durch Vermahlen oder Brennen des Kalkes. Einige Kalkdünger sind gleichzeitig Magnesiumdünger, da das Rohmaterial unterschiedliche Mengen Magnesium erhält.

4.Kritische Einflüsse der Düngung:

1. Nitratanstieg im Grundwasser
bulletenorm gestiegenen Wasserverbrauch pro Person und Tag
bulletbestimmte Bewirtschaftungsmethoden der Landwirtschaft (z.B. Spezialisierung im Sonderkulturanbau, Überdüngung, ...)
bulletZunahme der Stickstofferträge aus der Atmosphäre (Emissionen aus Landwirtschaft, Industrie, Haushalt,...)

2. Stickstoff- und Phosphateintrag in Oberflächengewässer
bulletdurch Oberflächenerosion wird Phosphat in Gewässer gespült Eutrophierung (Anreicherung der Gewässer mit Nährstoffen, Anregung des Wachstums pflanzlicher Lebewesen, Notwendigkeit von Sauerstoff bei deren Zersetzung, Verarmung des Wassers an Sauerstoff, Absterben der Fische und Unterbindung der biologischen Reinigung des Wassers)
bulletDirekteinleitung
bulletAtmosphäre
bulletGrundwasser

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3. Gasförmige Stickstoffverluste
bulletdurch Viehhaltung gelangt Ammoniak in die Atmosphäre
bulletdurch Denitrifikation (Prozess, bei dem bestimmte Bakterien und Bodenpilzarten Nitrat zu molekularem Stickstoff umsetzen, der dann in die Luft entweicht: NO3- über NO2- und NO+ zu N2O und zu N2) entsteht Lachgas (N2O). Lachgas ist ein Klimagas und dieses schädigt wiederum die Ozonschicht.

4. Cadmium in phosphathaltigen Düngemitteln

Cadmium ist ein in fast allen Böden vorkommendes Schwermetall, das sich bei Mensch und Tier in der Nebennierenrinde anlagert und so zu Gesundheitsschäden führt. Cadmium ist in kleinsten Mengen giftig!!!

[2]

Methan ist deshalb eingeklammert, da es in erster Linie durch Viehhaltung in die Atmosphäre gelangt und weniger durch Düngung.

Um diesen Umweltproblemen entgegen zu wirken, sollte man beim Düngen besonders auf die eingesetzte Menge achten. Denn oft leiden die Pflanzen eher am Überangebot als am Mangel. Daher ist es wichtig, die Angaben der Hersteller und die Ergebnisse der Bodenanalyse zu beachten.

5.Literatur:

  1. Holleman/Wiberg: Lehrbuch der anorganischen Chemie, 81. - 90. Aufl., Walter de Gruyter Verlag, Berlin - York, 1976.
  2. Hermann, Hans: Grundstufe Agrarwirtschaft, 3. Aufl., BLV Verlagsgesellschaft mbH München, 1988.
  3. Sturm H., Buchner A., Zerulla W.: Gezielter düngen, DLG-Verlags-GmbH Frankfurt am Main, 1994.
  4. BASF Aktiengesellschaft: Chemie in der Landwirtschaft, Verlag Wissenschaft und Politik Köln, 1980.
  5. Kali und Salz AG: Düngung aktuell, Mohndruck Gütersloh, 1986.

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E-Mail: Walter.Wagner ät uni-bayreuth.de

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