Didaktik der Chemie / Universität Bayreuth

Stand: 23.11.12


Medien für den Unterricht

Zusammenfassung


  1. Medien ermöglichen die Gewinnung von Erkenntnissen.
    "Genau genommen gibt es keine medienfreie Erfahrung".
    Sie machen den konstruierten Charakter aller Wirklichkeit deutlicher, als er uns gemeinhin wird. [25] Am Schnittbild-Modell einer Raffinerie, an einem Funktionsmodell zum chemischen Gleichgewicht, an farbcodierten Potentialoberflächen von Molekülen lassen sich mehr Erkenntnisse gewinnen als am Original in seiner ursprünglichen Erscheinung. Sie können aber auch zu falschen Erkenntnissen führen, wenn man sie zu sehr als Autorität akzeptiert und Grenzen medialer Darstellungen ignoriert.
  2. Medien unterstützen Denkprozesse. Sie erweitern die äußeren Kommunikationskanäle (zwischen Lehrer und Schülern), die sprachbasiert und durch serielle Verarbeitung gekennzeichnet sind, um die bildbasierte, parallel arbeitende Dimension. Gleichzeitig fordern sie die innere Kommunikation (z.B. zwischen den Hirnhälften) dermaßen, dass positive Rückwirkung auf die Gehirnentwicklung folgen müssen. [26]
  3. Medien unterstützen Unterrichtsmethoden. Auch die neuen Medien können methodische Schwächen nicht wettmachen. Umgekehrt wird eine Methode durch adressatengerechten Medieneinsatz besser.
  4. Medien unterstützen Lernprozesse. Wesentliche Merkmale treten, von der Didaktischen Absicht gesteuert, stärker hervor, als sie dies in der Wirklichkeit tun würden. Arbeitsteilige Schülerexperimente in Gruppen können der Differenzierung bis hin zur Individualisierung dienen. Leistungsschwache oder wenig selbstbewusste Schüler lernen ohne Klassenöffentlichkeit oder direkte Lehrerkontrolle besser. Eine optimale, nicht maximale, Zahl von (verschiedenen) Lösungsansätzen unterstützt individuelle Unterschiede bei den Lernstrategien. Veranschaulichung hilft Schülern bei Inhalten, die ihre geistige Entwicklungsstufe auf formaler Ebene fordern. Nicht immer ist maximale Realitätsnähe didaktisch am günstigsten [25].
  5. Medien vertreten Inhalte, ersetzen aber nicht die authentische Erfahrung. Wenn das Original, und nur dann, aus einem triftigen Grund am Ort des Unterrichts nicht verfügbar sein kann, muss es von einem medialen Ersatz vertreten werden. Als triftige Gründe könnten zum Beispiel gelten, dass das Original
    • zu weit entfernt (Marsgestein),
    • zu groß oder zu klein (Raffinerie bzw. Eisen-Atom),
    • zu teuer (Brillant),
    • zu gefährlich (Plutonium) oder
    • zu unanschaulich (chemisches Gleichgewicht) ist.

    Verantwortungsvoller Umgang ist nur am Original (chemisches Experiment mit Sicherheits- und Entsorgungsaspekten) und nicht an seiner medialen Repräsentation (Simulation) erlernbar.


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E-Mail: Walter.Wagner ät uni-bayreuth.de