Didaktik der Chemie / Universität Bayreuth

Stand: 04.05.16


Medien für den Unterricht

Tafel


Material:
  • Styropor-Applikationen
  • Farbkreide
  • Magnetapplikationen
  • SMART-Board

Lernende haben die beschriftete Versuchsaufbauskizze der Reduktion von Kupferoxid in Wasserstoffatmosphäre von der Tafel ins Heft übernommen. Sie hatten es sich vorweg nicht zugetraut, dass dies wegen des Schwierigkeitsgrades so gut gelingen würde und sind nun stolz darauf.

Beschreibung. Die Tafel gehört zusammen mit dem Schülerheft, einer Form des Computereinsatzes, dem Arbeitstransparent und -blatt, sowie den außerschulischen Lernorten und den Experten zur Gruppe der vorwiegend selbst gestalteten Medien.

  1. Die Information stammt vom Lehrenden.
  2. Die Didaktische Intention ausschließlich vom Lehrenden.
  3. Informationsträger ist eine Schreibfläche, die frontal vor einem Auditorium angebracht ist und deren Oberfläche für die Benutzung von Kreide optimiert ist.
  4. Geräte sind unter Umständen zur Bewegung der Tafel erforderlich und richten sich nach der Bauart (siehe unten).

Die Schreibfläche besteht heute in der Regel aus emailliertem Stahlblech, wobei die Oberfläche rau geschliffen wurde. Zum Zweck der optimalen Kontrastierung mit weißer Kreide eignet sich die dunkelgrüne Farbe am besten (früher: schwarz). Der Hintergrund kann Hilfslinien oder Gittermarkierungen aufweisen.

Von der Bauart her unterscheidet man

  • Einfache Tafeln, die fest an einem Gestell oder an der Wand befestigt sind,
  • Rolltafeln, die beweglich sind,
  • Wendetafeln, die um eine Achse gewendet werden können,
  • Schiebetafeln, bei denen zwei oder mehrere Flächen voreinander auf und ab geschoben werden können,
  • Klapptafeln, in der Regel dreiflügelig, bei denen zwei halbgroße Flügel vor einer weiteren Fläche zu den Seiten hin aufgeklappt werden können.

Daneben gibt es eine Vielzahl von Varianten, die sehr ähnlichen Zwecken dienen:

  • Mit Stahlblech versehene oder aus Stahlblech gefertigte Tafeln für magnetischer Applikationen,
  • Flanelltafeln für Klettapplikationen,
  • Kunststoff- oder Blechtafeln (weiß, "whiteboard") zur Verwendung mit abwischbaren Filzstiften,
  • Umblättertafeln ("Flipcharts") aus großformatigem Papier,
  • Anschlagtafeln aus Kork, Faserplatten, Pappe, Styropor zur Befestigung von Blättern mit Hilfe von Anstecknadeln oder Reißzwecken,
  • große Grafiktabletts zur gleichzeitigen elektronischen Erfassung handschriftlicher Präsentationen (ggf. mit Hilfe spezieller Stifte unterschiedlicher Bauart), die gleichzeitig Interaktionen mit Software erlauben ("interaktive Tafel"), oder 
  • weiße Projektionsflächen als virtuelle Tafeln, bei denen ein Computer Handbewegungen als Bedienbefehle erkennt.

Einsatz. Eine Tafel ist in jedem Klassenzimmer verfügbar, ihr Einsatz bedarf keiner besonderen vorbereitenden Maßnahmen (etwa Abdunkeln). Sie unterstützt in der Regel lehrerzentrierte Unterrichtsmethoden und die frontale Unterrichtssituation. Der Lehrende konzipiert das Tafelbild vor Beginn des Unterrichts.

Eine Reihe von Überlegungen sollten im Verlauf der Planung von Tafelarbeit angestellt werden:

  • Didaktische Rolle.  Denkbar sind, in alleiniger oder kombinierter Form:
    • Lösen von Prüfungs- oder Übungsaufgaben durch Lernende,
    • Angeben des Lehrziels und/oder des Themas, 
    • (zerstreutes) Setzen von Impulsen,
    • Festhalten der Gliederung für die Unterrichtseinheit,
    • Anfertigen einer beschrifteten Versuchsaufbauskizze,
    • Protokollieren einer Versuchsdurchführung, mit Zielangabe, Beobachtung, Interpretation...,
    • Sammeln von Diskussionsmaterial, Argumenten, Hypothesen...,
    • Notieren von Definitionen, Begriffen des Grundwissens, Diskussionsergebnissen,
    • Entwickeln einer Skizze zur Visualisierung abstrakter Inhalte,
    • Informieren,
    • Zusammenfassen, Festigen,
    • Vorgeben des Hefteintrages in unterschiedlich intensiver Weise. [5]
  • Umfang des Tafelanschriebs. In der Regel stehen zwei, eine vordere und eine hintere Tafel, zur Verfügung. Für Lernende ist die vordere Tafel einfacher zu benutzen. Der Lehrende wird zu Beginn seiner Tätigkeit herausfinden, welchen Platzbedarf er auf Grund seiner Schreibgewohnheiten hat. Bei einer ungeraden benötigten Anzahl sollte er vorne, bei einer geraden hinten beginnen. Durch eine geschickte Kombination aus der Auswahl der Tafel, mit der man beginnt, und der Wischphasen kann man vermeiden, zusammengehörige, aber umfangreiche Tafelbilder zu sehr formell zu isolieren.


Abb. 1: Wie groß soll man schreiben? Ausprobieren oder berechnen.

  • Organisatorische Hinweise für Lernende. Insbesondere, wenn Überschriften erst später angegeben, Skizzen nicht unten begonnen und nach oben fortgesetzt oder auf der linken Seite beschriftet werden, sind Hinweise diesbezüglich gutes didaktisches Handwerkszeug. Generell sollte der Platzbedarf von zusammenhängenden Skizzen angekündigt werden.
  • Übernahme. In der Regel wirkt das für Lernende sehr langweilig und ist für den Lernprozess eher schädlich (unproduktive Auslöschungsphase), zumal der Lehrende versucht ist, die dabei für ihn entstehende nichtaktive Zeit sprechend auszufüllen. Das kann vermieden werden, indem man
    • überlegt, welche Inhalte fertig, etwa als Arbeitsblatt, präsentiert werden könnten, ohne die Bedeutungszumessung dadurch zu verringern,
    • die gedanklichen Schritte klein genug wählt und
    • begleitend bei der Entwicklung umfangreicher Skizzen soweit irgend möglich Einträge zulässt.
    • In der Übernahmephase sollten keine Informationen auf anderen Kanälen geboten werden, damit sich die Lernenden gedanklich mit dem Inhalt auseinandersetzen können.


Abb. 2: Aufteilungsmöglichkeit für eine breite Tafel mit Funktionen.

Die Gefahr, das Unterrichtstempo zu hoch anzusetzen, ist, verglichen mit dem Arbeitstransparent, eher gering. Zur Gestaltung des Tafelbildes gelten gestaltpsychologische Kriterien, wie sie für Versuchsaufbauten beschrieben sind.

Exkurs: Prinzipien der Gestaltung von selbst erstellten Medien am Beispiel Arbeitblatt bzw. -transparent.

Neben der Verwendung in Zusammenhang mit Kreide können auch Applikationen angebracht werden: schematische Figuren aus unterschiedlichen Materialien, mit Modellcharakter dienen dem Zweck der Veranschaulichung. In der Literatur werden viele für den Einsatz von Applikationen geeignete Themen beschrieben, unter anderem

  • Aggregatzustände,
  • Diffusion, Osmose,
  • Atombau, Schalenbesetzung, Ionisierung,
  • Redoxreaktionen als Elektronenübergänge,
  • Atombindung, Ionenbindung, metallische Bindung,
  • Enzymwirkung,
  • Bildung von Makromolekülen (Kunststoffe, Proteine, Polysacharide, DNS...) [6] [7] [8].

An der standardmäßig eingesetzten Stahl-Emaille-Tafel haften Magnet-Applikationen ohne zusätzliche Maßnahmen. Styropor- und Moosgummi-Applikationen mit befeuchteter Rückseite haften an allen Tafeln gut, sofern sie nicht zu oft bewegt werden müssen. Diesem Nachteil kann man begegnen, indem nur eine Trägerplatte aus Styropor an der Tafeln nass angeheftet wird, die zu bewegenden Teile aber mit Stecknadeln befestigt werden. [7]

Abb. 3: Beispiele für Styropor-Applikationen an der Tafel [7].

Demonstrationen.

Nachdem jeder Werkraum mit einem Styroporschneidegerät ausgestattet ist, dürfte der Herstellung solcher Applikationen durch Lernende nichts ernsthaft im Wege stehen.

Probleme.

  • Das Format der meisten Tafeln weicht erheblich von dem einer Schülerheftseite ab. Deshalb ist zumindest in der Primar- und Sekundarstufe I Hilfestellung zur Übernahme von Inhalten ins Heft sinnvoll (Abb. 1). Auch wird dadurch die Zuordnung von Einträgen zu "wichtig = lernen" und "weniger wichtig = nicht lernen" entscheidend erleichtert.
  • Die Kontrastierung ist invers, d.h., anders als bei den "üblichen" Schreib- bzw. Lesemedien Heft und Buch ist der Hintergrund dunkler als die Schrift. Das führt zum nächsten Problem:
  • Die Sichtbarkeit von Farben auf der Tafel unterscheidet sich deutlich von der im Heft. So zum Beispiel kontrastiert gelb auf der dunkelgrünen Tafel hervorragend, im weißen Heft kaum. Bei Dunkelblau verhält es sich umgekehrt.
  • Arbeitsskizzen, etwa beim Entwurf von Versuchsapparaturen, bei denen Korrekturen absehbar sind, sollten als solche angekündigt werden. Kreide lässt sich in der Regel sehr leicht von der Tafel entfernen, Kugelschreiber im Heft hingegen überhaupt nicht.
  • Tafelwischphasen können gezielt eingesetzt werden: am falschen Ort unterbrechen sie Gedankengänge, richtig eingesetzt verschaffen sie die nötige (produktive) Auslöschungsphase zwischen zwei Lehrzielen. Eine nasse Tafel lässt sich einige Minuten nicht einsetzen.
  • Das vorausgehende Tafelbild ist zunächst verloren [5]. Ein Hinweis zur Lösung dieses Problems findet sich beim Arbeitstransparent.
  • Besonders in unbekannten, "lebhaften" Klassen sollte dem Lehrenden klar sein, dass er bei der Benutzung der Tafel mit dem Rücken zur Klasse steht. Der mangelnde Blickkontakt könnte nicht unterrichtsrelevante Aktivitäten fördern, wobei es dazu noch schwer fällt, die Verursacher solcher "Bemühungen" zu lokalisieren.

Das ideale Medium für frontale Situationen wäre demnach eine kleine Tafel z.B. in DIN-A2-Größe, die Lehrende vor sich auf dem Tisch haben können, um den Blickkontakt mit der Klasse zu halten. Darauf entwickelte Tafelbilder werden elektronisch erfasst und über einen Datenprojektor für alle in der üblichen Dunkel-auf-Hell-Kontrastierung angeboten. Die Technik dazu existiert und dürfte bald auch finanzierbar sein.

(Inter)aktive Tafeln. Seit einigen Jahren finden interaktive Tafeln zunehmend Verbreitung in Schulen. Leider werden sie oft fälschlicher Weise als "whiteboards" bezeichnet. Man sollte unterscheiden:

  • weiße Tafeln (die eigentlichen whiteboards), auf die man mit abwischbaren Filzstiften schreiben kann; sie habe einige Nachteile der traditionellen Tafelkreide nicht (s.u.); Nachteile sind nicht bekannt.
  • aktive Tafeln (active boards), die immer weiß sind, weil mit einem Beamer darauf projiziert wird und Software durch Berühren bedient werden kann. Je nach zugrunde liegender Software kann ein gewisses Maß an Interaktivität erreicht werden.


Abb. 4: Aktive und passive Tafeln

Die Tafeln der Hersteller unterscheiden sich hauptsächlich darin, dass manche zum Schreiben einen besonderen Stift erfordern, andere nicht. Manche aktive Tafeln kann man mit Filzstiften auch beschreiben, bei anderen geht es nur eingeschränkt. Stets ist aber ein Projektor erforderlich, der sehr nahe an der Projektionsfläche (Ultrakurzdistanz-Beamer) angebracht sein sollte, weil sonst Zitterbewegungen des Montagearmes oder Schattenwurf des Lehrenden in unterschiedlichem Maß stören könnten.

Die didaktischen Leistungen liegen klar auf der Hand, obwohl zurzeit noch trefflich gestritten wird:

  1. Eine aktive Tafel bleibt eine Tafel und steht wie die herkömmliche Kreidetafel frontal vor der Klasse.
  2. Die Sichtbarkeit der Farben entspricht der im Heft.
  3. Es kommt zu keiner Staubentwicklung mehr: Geräte, Hände und Kleidung der Benutzer werden geschont.
  4. Das Tafelbild ist nicht mehr notwendiger Weise verloren; es kann gespeichert und bei Bedarf wieder eingespielt, verändert und weiter gegeben werden.
  5. Tafelbilder können zu Hause einfacher vorbereitet werden, die Medien Tafel und Folie verschmelzen.
  6. Erfahrungen zeigen, dass nur ein Ersetzen der Kreidetafel sinnvoll ist; das Benutzen beider nebeneinander funktioniert in der Praxis nicht. Im Falle des Ersetzens fallen die Kosten nicht mehr ins Gewicht (bei Neueinrichtung: Waschbecken im Klassenzimmer kann eingespart werden!).

Ausblick. In dem Maß, in dem digitale Informationstechnologie auf Seiten der Lernende verwendet wird, wird die Nachfrage nach Tafelformen steigen, die die direkte Übernahme des Inhaltes auf persönliche Speichermedien ermöglicht - manche Kollegen bieten die Tafelbilder im Intranet der Schule schon an. Für diesen Fall wäre noch zu klären, inwieweit auf die lernaktiven Reorganisationsprozesse, die bei der Übernahme von Tafelbildern ablaufen, überhaupt verzichtet werden kann.


Download Folien als PowerPoint-Präsentation

Übungen

top

E-Mail: Walter.Wagner ät uni-bayreuth.de