Didaktik der Chemie / Universität Bayreuth

Stand: 22.10.13


Medien für den Unterricht

Der Lehrende in seiner Funktion als Medium


Einordnung. Der Lehrende (mit gemeint ist stets auch die Lehrende)

  • ist der Souverän des Unterrichts.
  • Wenn er den Lernraum betritt, hat er eine Vorstellung von den Lehrzielen und
  • sollte möglichst viel über die Lernziele wissen.
  • Er verfügt über einen Plan, wie er den Lernprozess zu unterstützen vermag und
  • er entscheidet, welche Art von Methoden er zur Verwirklichung einsetzen will: lehrerzentrierte, also mit sich als Ausgangs- und Mittelpunkt, oder schülerzentrierte, zum Beispiel nach dem konstruktivistischen Ansatz. Abb. 2 geht zunächst von ersterem aus.

Selbstverständlich ist der Lehrende mehr als ein Medium. Im Folgenden soll aber nur sein medialer Aspekt Berücksichtigung finden, obwohl es kaum möglich ist, gerade hier Medium und Methode scharf auseinander zu halten.

Bei stark lehrerzentriertem Unterricht verfügt der Lehrende in der Regel über ein Informationsmonopol: über die Sprache (Schüler schreiben mit), den Tafelanschrieb (Schüler übernehmen) und das Vorführen von ausgewählten Experimenten (Schüler notieren Beobachtungen) wird versucht, alles zu bieten, "was der Schüler braucht" - oder was der Lehrende dafür hält.

Lehrersprache. Information ist nie neutral, erst recht nicht in Zusammenhang mit Unterricht. Werten von Information, das Einteilen in "wichtig" und "weniger wichtig", gehört zu den bedeutendsten Zielen von Unterricht. Dabei spielt der Lehrende mit seinen sprachlichen Möglichkeiten (verbal und nonverbal) eine Hauptrolle.

  1. Die Information stammt aus dem Gedächtnis.
  2. Die Didaktische Intention hat er selbst gefasst.
  3. Informationsträger ist das Gehirn.
  4. Geräte (Verstärker, Videoprojektion) sind erst bei Gruppengrößen ab 100 Personen (Schulforum, Massenveranstaltungen) sehr hilfreich.

Die Vielfalt und bequeme Verfügbarkeit vieler (fremdgestalteter) Medien sowie das oft erlebte Beispiel katechisierender Lehrende lässt aber den guten Lehrervortrag in den Hintergrund treten:

  • mit modulierter Stimme,
  • dosierter Gestik,
  • Blickkontakt,
  • synchroner, unterstützender Mimik einen
  • spannenden Vortrag oder sogar
  • ein Zwiegespräch über eine begrenzte Zeit halten

gehört nicht zu den einfach zu handhabenden, aber zu den unterschätzten medialen Maßnahmen. Der Einsatz dieser Lehrgriffe und Lehrtechniken macht Unterricht zum Erlebnis, rückt ihn psychisch nahe an die Lernenden, lässt sie "sich berührt" fühlen.

Das Gegenteil ist der Fall, wenn der gleiche Lehrende dem gleichen Lernendenkreis die gleiche Information mit unbeteiligter Stimme vorliest oder wenn sie einem fremden Schülerkreis auf Video präsentiert wird.

Info: Angesichts einer Umfrage unter Lehrenden aller Fächer, wonach 25% der Lehrenden keines von 12 angegebenen audiovisuellen Medien für alle didaktischen Intentionen zusammen häufiger verwenden, kommt Sacher zum Schluss: "...so scheinen damit die Möglichkeiten moderner Unterrichtsmedien bei weitem zu wenig genutzt... Oft dürfte dazu noch eine starke Dominanz des personalen Mediums Lehrersprache kommen, das eine besonders rege Vorstellungsaktivität und hohe Konzentrationsleistungen der Schüler erfordert." [25]

Bsp. 1: "Pausen beim Reden", aus "Ich Rede" von Isabel Garcia, Teil 9-11, 7 Min.

Bsp. 2: "Körpersprache beim Reden", aus "Ich Rede" von Isabel Garcia, Teil 27-28, 7 Min.

Ausblick. Virtuelle Lehrangebote, bei denen die Mitglieder einer Lerngruppe nicht gleichzeitig eine Unterrichtseinheit verfolgen müssen (asynchroner Unterricht), werden sicher zunehmen. Dabei wird der Lehrende von der medialen Wirkung her etwas "in die Ferne" rücken. Institutionen des Telelernens ("Fernschulen") bestätigen, dass der persönliche Kontakt bleibt, wenn er auch nicht auf physische Präsenz des Lehrenden beschränkt ist. Dies ist aus heutiger Sicht nur für den erfahrenen Lernenden vertretbar, etwa in der beruflichen Fortbildung (auch für Lehrende), zum Erreichen von Zusatzqualifikationen oder generell in der Erwachsenenbildung. Für junge Lernende hat Schule bedeutende soziale und andere Funktionen (siehe Kompetenzbereiche), die sich vom schulischen Lernen nicht trennen lassen [4, nach 25].

Lernende können sich aber auch ändern. Zur Zeit verfügen sie nur über Erfahrungen mit Präsenzunterricht. Aus der Erfahrung heraus (USA) wird betont, dass solche Lernende, die aus irgendwelchen Gründen (Distanzproblem, Beruf der Eltern) viel Erfahrung mit Fernunterricht besitzen, es als weniger bedeutsamer empfanden, mit dem Lehrenden (per E-Mail) zu kommunizieren, als untereinander.


Übungen, Zusammenfassung Sprechregeln

top

E-Mail: Walter.Wagner ät uni-bayreuth.de