Didaktik der Chemie / Universität Bayreuth

Stand: 16.10.12


Medien für den Unterricht

Schülerheft


Lernende haben die beschriftete Versuchsaufbauskizze der Reduktion von Kupferoxid in Wasserstoffatmosphäre von der Tafel ins Heft übernommen. Sie hatten es sich vorweg nicht zugetraut, dass dies wegen des Schwierigkeitsgrades so gut gelingen würde und sind nun stolz darauf.

Beschreibung. Das Schülerheft gehört zusammen mit der Tafel, einer Form des Computereinsatzes, dem Arbeitstransparent und -blatt, sowie den außerschulischen Lernorten und den Experten zur Gruppe der vorwiegend selbst gestalteten Medien. Es steht meistens in engem Zusammenhang mit dem Einsatz der Tafel durch den Lehrenden.

  1. Die Information stammt vom Lehrenden.
  2. Die Didaktische Intention ausschließlich vom Lehrenden.
  3. Informationsträger ist Papier.
  4. Geräte sind weiter nicht erforderlich.

Formen. Neben dem geklammerten (Fach)Heft kommt mittlerweile bis in den Primarbereich hinab das (Sammel)Ringbuch zunehmend zum Einsatz. Das erleichtert sicherlich die Zuordnung von Materialien unterschiedlicher Formate und Herkunft (Arbeits- und Aufgabenblätter, schriftliche Lern- und Lehrzielkontrollen, ausgerissene Bilder, Zeitungsausschnitte) zu den Mitschriften und minimiert das Gewicht des Schultascheninhalts, erfordert aber eine erhöhte Ordnungsdisziplin:

  • Blätter müssen sortiert, 
  • von denen anderer Fächer auseinandergehalten,
  • ältere Einheiten in die Fachordner umgeladen,
  • leere Blätter in der richtigen Lineatur bevorratet werden.

Einsatz. Zum Unterschied zur Tafel unterstützt es schülerzentrierte Unterrichtsformen:

  • Lernende lösen Aufgaben in Einzel- oder Partnerarbeit,
  • sammeln Diskussionsbeiträge vorweg in stiller Beschäftigung,
  • üben selbständig, um dann das Ergebnis mit der lehrerbetreuten Tafelversion zu vergleichen. Im Heft werden, gegebenenfalls zusammenwirkend mit dem Arbeitsblatt,
  • Hausaufgaben gefertigt oder
  • Aufgaben im Dienst der Differenzierung bearbeitet. 

Je nach Aufgabentyp werden Ergebnisse oder Lösungswege oder Vorschläge dazu zunächst selbständig fixiert, um später als Lehrzielkontrolle, als Tätigkeitsnachweis, zur Präsentation im Plenum oder als Diskussionsgrundlage zu dienen.

Der Inhalt des Schülerheftes ist in der Regel neben dem des Schulbuches die verlässlichste Grundlage für Leistungsmessung oder Prüfungen. Um dies sicherzustellen, sind regelmäßige Heftkontrollen durch den Lehrenden mit Rückmeldung über die festgestellte Qualität und Vollständigkeit bis zum Ende der Sekundarstufe I auf jeden Fall sinnvoll.

Neben dem Schülerheft kommen im Chemieunterricht Protokollhefte, Notiz- und Übungsheft, Aufgabenhefte oder selbst erstellte Datensammlungen (Steckbriefe für Elemente und Verbindungen, Glossare, Sammlung von Definitionen oder Vereinbarungen über Grundwissen) zum Einsatz.

Der bequeme, extensive Einsatz von Arbeitsblättern drängt manuelles Zeichnen manchmal in den Hintergrund. Meistens fällt erst bei lernpsychologischen Tests oder (siehe Abb.) bei Aufgaben zur Leistungsmessung auf, dass maßgebliche Inhalte nicht verstanden wurden. Zeichnen im Chemieunterricht soll eine geistige Auseinandersetzung mit dem Inhalt sein.

Abb. 1 / Tafelskizze: Der Liebig-Kühler: "Wie kommt das Wasser von 1 nach 2? Oder bei 3 'raus? Da sind ja Wände dazwischen!"

Ausblick. Das Heft wird so lange nicht maßgeblich an Bedeutung verlieren, als die Kulturtechnik des manuellen Schreibens nicht vollständig überflüssig wird. Nicht übersehen sollte man dabei auch die Freiräume, die das langsame, automatisierte Schreiben dem Gehirn einräumt. Sie können zur Entspannung oder für Reflexionen genutzt werden, was wiederum die Auseinandersetzung mit Inhalten fördert.


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E-Mail: Walter.Wagner ät uni-bayreuth.de