Didaktik der Chemie / Universität Bayreuth

Stand: 18.12.14


Medien für den Unterricht

Vorwiegend fremd gestaltete Medien


Um in einer Arbeitsphase fundiert über die Erdölförderung und -weiterbearbeitung bis hin zum Produkt Benzin reden zu können, wird als informierender Unterrichtseinstieg ein Video zum Thema "Entstehung und Vorkommen von Erdöllagerstätten" angeschaut.

  1. Das Schulbuch liefert dazu nur die Schemazeichnung einer Schichtenfolge und das Bild eines Bohrturmes. Am Ende der Einheit kommt noch
  2. eine Bildfolie mit einem Luftbild einer Erdölraffinerie als Lehrzielkontrolle zum Einsatz.
  3. Das Video vermag sowohl die einzelnen Arbeitsgänge mit ihren typischen fachlichen Problemstellungen im Bild vorzustellen, als auch zur Auseinandersetzung mit dem Thema Produktionsintegrierter Umweltschutz zu provozieren. Die Funktion ist Ergebnis einer Entscheidung des Produktionsteams und weitgehend unveränderlich. In Teilen kann die didaktische Absicht durch den Organisator des Lernprozesses in seinem Sinn variiert werden, zum Beispiel durch Verwendung von Ausschnitten, an unterschiedlichen didaktischen Orten oder durch Ausschalten einzelner Informationskanäle, etwa dem Ton.

Fremdgestaltete Medien sind gefährlich, weil sie vorkonzipiert sind. Sie übernehmen unweigerlich Lehrerfunktionen

  • indem sie von sich aus Informationen liefern und
  • sie mischen sich in die Methodenwahl ein, indem sie Sinnzusammenhänge herstellen.

Meyer [11] spricht von "'tiefgefrorenen' Lernarrangements", die "durch das methodische Handeln des Lehrers und der Schüler ‚aufgetaut' werden" müssen.

Fremdgestaltete Medien sind wertvoll. Man ist sich zwar einig, dass ein Lehrender für Unterricht unverzichtbar ist. Setzt man die Betonung aber etwas anders ein, ein Lehrender, so erhält das fremd gestaltete Medium die Funktion, allzu stark dominierende lehrerspezifische Methodenwahl zu relativieren. 


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E-Mail: Walter.Wagner ät uni-bayreuth.de