Didaktik der Chemie / Universität Bayreuth

Stand: 04.05.16


Medien für den Unterricht

Begriffe und System


Funktionen. Auf die Schwierigkeiten, Medien begrifflich zu fassen und zu klassifizieren weist Glöckel [1] präzise hin. Je nach Autor werden in Definitionsversuchen unterschiedliche Funktionen betont (nach Adl-Amini [2]):

  1. Lehr- und Lernmittel, Hilfen für den Unterricht, "Mittel zum Zweck" und Vertreter des Unterrichtsgegenstandes (z.B. das Schülerbuch, das Heft, der Film). Die Begriffe sind durch gesetzliche Bestimmungen geregelt, unabhängig von einer didaktischen Praktikabilität (siehe unten).
  2. Vermittler von Information im Sinne von "Mittler" zwischen Lehrer und Schüler, wobei sowohl die Gerätschaften, als auch der transportierte Inhalt gemeint sind (z.B. der Film, das Arbeitstransparent, das Arbeitsblatt).
  3. Form der Wirklichkeitspräsentation (z.B. der Lehrer, das Schulbuch, eine Fernsehsendung, das Experiment).
  4. Kommunikationsmittler, Gegenstände, die zwischen Lehrer und Schüler stehen (z.B. das Experiment, "der Overhead", die Tafel).
  5. Technologie der Symbolisierung, d.h. Mittel zur Verbreitung von Symbolen (z.B. der Druck, das Fernsehen, der Rundfunk, die Zeitung).

Der Aufzählung liegt keine Systematik zugrunde, die Funktionen überschneiden sich zum Teil erheblich (etwa 2 und 4) und sind für den Unterricht in unterschiedlichem Ausmaß relevant (1 bzw. 5). Aufgliederung.

Zum hier verwendeten Medienbegriff sollen folgende Teile gehören:

  1. Information. Damit ist zunächst die Basisinformation im kybernetischen Sinn gemeint, der ohne Vorkenntnisse erschließbare Anteil des Inhaltes. Information ist immateriell und wird gern mit der Software eines Computers verglichen. Informationen sind Aussagen über die reale Welt, jedenfalls mehr als reine Vermutung. Sie stammt von einem Autor, wurde zum Zweck der Übermittlung oder Aneignung in Form gebracht [3] und wird beim Empfänger eine Reaktion verursachen, je nachdem wie er sie klassifiziert: neu (meist gleichgesetzt mit "bedeutend"), bekannt ("unbedeutend"), richtig oder falsch.
  2. Didaktischer Intention. Sie ist Metainformation, also Information, die erst Bedeutung erlangt, wenn man einen Zusammenhang, eine Absicht, kennt. Als Teil des Inhaltes ist sie nur für den geschulten Beobachter entschlüsselbar, entfaltet aber eine klare Wirkung im Dienst eines Lehrzieles und wird vom Anwender des Mediums (Lehrer) bewusst zu diesem Zweck eingesetzt. Sie steht auf der gleichen, breiten und viel dimensionalen Grundlage wie die Wissenschaft Didaktik selbst.
  3. Informationsträger. Damit sind materielle, physikalische Formen gemeint, die Information dinglich, anfassbar, transportabel, langfristig lagerbar machen. Die Form wird durch die gewählte Technik bestimmt.
  4. Meistens ist darüber hinaus ein Gerät erforderlich, um die Information vom Träger für menschliche Sinne erfahrbar zu machen. Es wird gern mit der Hardware eines Computers verglichen.


Abb. 1: Medienfunktionen im Didaktischen Dreieck

Eingrenzung. Der Begriff Medien wird in der Literatur sehr heterogen angewendet und hängt stark vom Blickwinkel des Autors (Journalist, Medienpädagoge, Medientheoretiker, praktizierender Lehrer, Informatiker...) ab. Im Sinne des fachdidaktischen Einsatzes erscheint es aus rein pragmatischen Gründen hilfreich, sich auf

  • Unterrichtsmedien zu beschränken, also Medien, die hauptsächlich für unterrichtliche Zwecke konzipiert sind (Unterrichtsmittel). Ihr unterscheidendes Kennzeichen ist die didaktische Funktion, realisiert durch einen Autor im Hinblick auf Unterricht.
  • Informationsmedien (Primärpublikationen, WWW, Wissensdatenbanken, Nachschlagewerke) und
  • Massenmedien (Fernsehen, Radio, Kinofilm), die im Wesentlichen der Unterhaltung dienen, [1] sollen hier ausgegrenzt werden. 

Ferner sollen die Geräte, die nur der technischen Realisierung dienen, sowie die Informationsträger zwar Erwähnung, in der Regel aber keine weitere Beschreibung finden.

Unterrichtsmittel wäre der besser fassbare Begriff [1]. Dass dennoch der weniger exakte Begriff verwendet wird, hat praktische Gründe: "Medien" ist in letzter Zeit Teil von Wortneuschöpfungen ("Multimedia", "neue Medien", "Hypermedia") geworden, so dass er in letzter Konsequenz sowieso nicht vermeidbar wäre. Der Anhänger des Begriffes "Medien" wird sich wundern, die Lehrersprache eingereiht zu finden, während sich der Befürworter von "Unterrichtsmittel" mit Multimedia auseinandersetzen müsste.

Klassifikation der vielen Einzelmedien wäre für den Lernenden hilfreich. Man muss sich aber im Klaren sein, dass die Bezeichnungen stets mindestens zwei Bedeutungen haben:

  1. Alltagssprache bezeichnet sehr heterogen ein Gerät (Computer), einen Informationsträger (Folie, Dia, DVD) oder eine didaktische Funktion (Arbeitsblatt) und kann deshalb zur Klassifikation nicht beitragen.
  2. Erhebt man die gleichen Bezeichnungen zur Fachsprache, meint man damit das Medium in seiner unterrichtlich relevanten Ganzheit [1].

Beispiel: So vereinigt die Bezeichnung "Video" in der Fachsprache:

  1. Information (bewegte Bilder mit Ton zum Thema "Synthese von Ammoniak" auf großtechnischer Ebene als Realaufnahmen aus einem Betrieb sowie auf submikroskopischer Ebene im Zeichentrick),
  2. Informationsträger (Kassette mit Magnetband aus Metalloxid beschichteter Polyesterfolie), 
  3. Gerät (Videorekorder oder -player und Fernsehgerät bzw. Monitor) und
  4. Didaktische Intention (eine Zeichentricksequenz wurde deshalb realisiert, um z.B. in der Arbeitsphase zur Unterstützung der konkreten Vorstellung von der Rolle des Katalysators bei den Vorgängen auf Teilchenebene eingesetzt zu werden).

Deshalb soll im Folgenden stets versucht werden, die Elemente dieser Ganzheit zu identifizieren. Die Zusammenfassung zu Gruppen erfolgt in erster Linie nach Urheberschaft für die Didaktische Intention (durch den Lehrer selbst gestaltet oder fremd gestaltet), in zweiter nach medientechnischen Gesichtspunkten (z.B. stehendes oder bewegtes Bild).

Es besteht eine enge Beziehung zwischen Unterrichtsmethode und Medium: zum Teil bedingen sie sich gegenseitig oder schließen sich aus.

Das Medium sei dabei der Methode stets untertan.

Für die Unterrichtsplanung ist bedeutsam, ob ein Medium lehrer- oder schülerzentrierte Methoden unterstützt, ob es den Lehrer in den Vorder- oder eher in den Hintergrund spielt. Des weiteren soll nur der ideelle, didaktische Aspekt und nicht der technische beschrieben werden:

Zitat: "...das gleiche Bild, ob klein im Schülerbuch, ob als großes Papierbild an der Wand, ob ... auf dem Fernsehschirm erscheinend, (ist) immer dasselbe Medium, denn es liefert in jedem Falle identische Informationen über den Inhalt. Die technischen Bedingungen seiner Darbietung sind verschieden." [1]

System. Angelehnt an die Systematisierung durch Adl-Amini [2] kann die Zusammenfassung in drei Gruppen hilfreich sein:

  1. Vorwiegend selbst gestaltete Medien,
  2. Vorwiegend fremd gestaltete Medien,
  3. Medien als geformte Materialien.


Abb. 2: Medien, vom Lehrer aus gesehen. Sein Einfluss auf die didaktische Funktion nimmt von innen nach außen ab.

Die Einteilung ist aus drei Gründen leistungsfähig:

  1. Sie geht vom Hauptbenutzer aus, dem Lehrer. Dabei nimmt seine Rolle von der ersten Ebene mit größtmöglicher Gestaltungsfreiheit zunehmend über den eng geführten Einsatz fremd gestalteter Medien bis hin zu lediglich der Bereitstellung von Material auf der dritten Ebene stetig ab.
  2. Sie vermag sowohl herkömmliche Medien (Tafel, Dia, Film) als auch etwas ungewöhnlichere (Montessori-Material) zu berücksichtigen.
  3. Der Lehrer wird in seiner medialen Funktion mit berücksichtigt und er steht im Mittelpunkt, wobei aber gerade hier das Dilemma, Medien unabhängig von der Methode behandeln zu wollen, offensichtlich wird.

Kaum eigens zu erwähnen sollte die Tatsache sein, dass es zwischen den skizzierten Kategorien Übergangsformen gibt, die die Grenzen verwischen.

Beispiel: Das Arbeitsblatt ist zwar in der Regel selbst gestaltet, man kann aber auch fremd gestaltete erwerben, beim Dia ist es umgekehrt.


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E-Mail: Walter.Wagner ät uni-bayreuth.de