Didaktik der Chemie / Universität Bayreuth

Stand: 03.12.15


Medien für den Unterricht

Arbeitstransparent und Arbeitsblatt


Material:
  • Petrischale, NaCl + AgNO3-Lösung, Pipetten, Maske
  • Folienstifte wasserfest, Spiritus, Papiertaschentuch, Schreibfolie, kariertes Papier, Schablone, Geo-Dreieck.

Beschreibung. Arbeitstransparent (kurz: Folie) und -blatt gehören mit der Tafel, dem Schülerheft, einigen Funktionen des Computers sowie den außerschulischen Lernorten und den Experten zur Gruppe der vorwiegend selbst gestalteten Medien, wobei gerade hier die Grenze zu den fremd gestalteten zu verwischen beginnt.

  1. Die Information stammt vom Lehrenden oder vom Autor.
  2. Die Didaktische Intentionen des verwendenden Lehrenden und des Autors sind nicht vollständig trennbar.
    Bsp.: Der Autor hat eine Folie entworfen, die das Schema eines Natriumatoms nach dem Bohrschen Modell zeigt. Der beabsichtigte Einsatzort ist das Kapitel "Schalenbesetzung durch Elektronen". Der Lehrende kann als Einsatzort auch die Ionisierung eines Natriumatoms wählen.
  3. Beide unterscheiden sich, zusammen mit der elektronische Präsentation, vordergründig nur durch den Informationsträger:
    • transparente Kunststofffolie (Polyester oder Polyacetat),
    • Papier und
    • Speicher oder Datenträger.
      Interessanterweise bezeichnet man das Medium auch im letzteren Fall als "Folie".
  4. Von der Art des Trägers hängt das nötige Gerät ab:
    • Arbeitsprojektor (Tageslichtprojektor, Overhead-Projektor OHP),
    • Episkop bzw.
    • Computer (gegebenenfalls mit Datenprojektor).

Weitere Unterschiede ergeben sich bei den Einsatzmöglichkeiten.

Einige seltene Formen entstehen, wenn Lehrende ihr Hobby fachgerecht einbringen:

  • Spiele,
  • Briefmarken,
  • Kreuzworträtsel mit chemischen Inhalten

kann man als Erscheinungsformen des Arbeitsblattes behandeln; die Liste ist nicht vollständig.

Die Tageslichtprojektion ist eine Durchlichttechnik, das heißt, es eignen sich nur transparente Objekte zur Projektion. Nicht lichtdurchlässige (Gestein, Metalle) oder wenig lichtdurchlässige (intensiv gefärbte Lösungen) sowie spiegelnde Objekte und gekrümmte Glasflächen (Wasser im Reagenzglas) erscheinen schwarz.

Demonstration. In einer Petrischale wird ein Niederschlag von Silberchlorid erzeugt. Er erscheint in der Projektion braun bis schwarz, keinesfalls weiß.

Fremderstelltes Material hat wie immer den Nachteil, dass Zielgruppe, Thema und Einsatzzweck nicht optimal auf die Bedürfnisse einer beliebigen Lehrer-Schüler-Kombination abgestimmt sein können, ist aber häufig professioneller gestaltet und enthält teilweise ansonsten schwer zugängliches (Bild)Material (z.B. die Folienserien des Fonds der Chemischen Industrie).

Quellen. Die Technik zur Selbstgestaltung von Folien und Arbeitsblättern unterscheidet sich höchstens in der Wahl des Trägers oder des Stiftes. Es ist jedoch von Vorteil, alle Arbeitsblätter zunächst als Folie zu realisieren: durch Vervielfältigen auf Papier entsteht automatisch ein Arbeitsblatt; umgekehrt funktioniert der Weg nicht so elegant. Das liegt weniger an der Technik als an den üblichen didaktischen Unterschieden zwischen den beiden Medien: die Skizze einer Destillationsapparatur wird auf dem Arbeitsblatt in der Regel zur Beschriftung angeboten, die Folie eher in fertig beschrifteter Form zur kurzfristigen Wiederholung. Beide Ziele lassen sich gemeinsam erreichen, wenn die Folie in Aufbautechnik ("Overlay") ausgeführt wird: die erste Ebene enthält die Skizze und Orientierungshilfen zur Beschriftung und ist gleichzeitig die Arbeitsblattvorlage, die zweite enthält die Begriffe der Beschriftung (erweiterte Aufbautechnik). Es gibt sehr viele Fälle im Unterrichtsverlauf, unter denen eine Trennung der beiden Ebenen wünschenswert ist:

  • Zusammenfassung,
  • Erfolgskontrolle,
  • Leistungsmessung,
  • Wiederholung ...


Abb. 1: Prinzip der erweiterten Aufbautechnik

Nach diesem Prinzip haben die verschiedenen Ebenen folgende Funktionen:

  1. Auf der Basisfolie findet sich im einfachsten Fall die vollständige, unbeschriftete Skizze. Sie kann als Arbeitsblattvorlage dienen. Bei mehrschrittigen Folgen enthält sie den 1. Aufbauschritt.
  2. Die Beschriftungsfolie enthält die Beschriftung, entweder vollständig oder Platzhalter zur manuellen Beschriftung gegebenenfalls durch Lernende während des Unterrichtsverlaufs.
  3. Es folgen eine übersichtliche Zahl von weiteren Aufbauschritten.
  4. An unterschiedlichen Stellen können leere oder mit Platzhaltern versehene Arbeitsfolien vorgesehen werden, die manuelle Markierungen oder Ergänzungen in Arbeitsphasen unterstützen.

Wichtig können Markierungen werden, die die Passung der einzelnen Ebenen garantieren sollen. Hilfen hierzu liefern viele OH-Projektoren durch versenkte Zapfen am Rand der Projektionsfläche im Abstand der üblichen Ringbuchlochung. Als weitere Möglichkeit kann man alle Folien zusammen zum Schluss lochen. Dadurch erhalten Sie gute Ausrichtmarken. Bewährt haben sich auch unauffällige Kreuze diagonal in den äußersten Ecken.

Demonstration. Das PSE in Aufbautechnik für manuelle Handhabung. (Download PowerPoint-Präsentation hierzu siehe bei Beispiel unten).

Die herkömmliche Methode, mit wasserfesten oder wasserlöslichen Faserschreibern in Farbe und mit Hilfe von Schablonen und Lineal auf leere Folien zu schreiben, dürfte noch einige Jahre sehr verbreitet bleiben.


Abb. 2: Manueller Folienentwurf

Demonstration. Folienstifte verschiedener Breite, Schablonen, Schreibdicke, Handschriftgröße für die Präsentation. Schreibtechniken, Orientierungshilfe.

Daneben bietet sich die Erstellung über Text-, Bild- und Formeleditoren auf dem Computer an. Das hat eine Reihe von Vorteilen:

  1. Der Inhalt ist nicht auf Text oder einfache Skizzen begrenzt. Farbbilder können aus Digitalkameras, dem WWW und aus Bilddatenbanken geladen oder von Vorlagen digitalisiert ("eingescannt") werden.
  2. Änderungen (Ausschnitte erstellen, Beschriftung entfernen oder korrigieren, Zahlen aktualisieren) sind leicht möglich und beeinträchtigen nicht die hohe Qualität des Erscheinungsbildes.
  3. Tinten und Laserdruckerfarben sind absolut wischfest. Wasserlösliche Stiftfarben werden auch durch den normalen Gebrauch verkratzt (Scheuern auf Unterlagen bzw. Deckblättern) oder bald teilweise abgewischt (Berührung mit den Fingern), so dass oft aufwendige Schutzvorkehrungen (etwa das Einschlagen in Prospekthüllen) getroffen werden müssen, wobei die Wirksamkeit sehr zweifelhaft ist und die Projektionsqualität stark leidet. Leider wölben sich manche Tintenstrahler-Folien durch die einseitige Beschichtung nach einigen Minuten auf der warmen Projektionsfläche und verursachen Unschärfen bei der Ansicht.

Nicht alle Laser-Drucker produzieren einsetzbare Farbfolien (Negativbeispiel: Lexmark).

  1. Der Zeitaufwand, besonders in der Phase der Technikerschließung, ist zunächst erheblich, wird aber schon bei der ersten Änderungsmaßnahme ökonomisch, wenn man das vollständige Neuzeichnen nach der herkömmlichen Methode vermeiden kann.
  2. Dateien können i.d.R. recht einfach auf elektronische Präsentation umgestellt werden.
  3. Auch umfangreiche Folienfolgen für die Aufbautechnik lassen auf einfache Weise realisieren (siehe Beispiel unten).
  4. Fremdinhalte (Webseiten, aktive 3D-Bilder) lassen sich einbinden.

Beispiel. Erstellung und Einsatz einer Folienserie in Aufbautechnik sei am Beispiel des PSE gezeigt. Anleitungstext. Animation der Schritte bzw. Ziel und Ergebnis als PowerPoint-Datei (281k).

Richtig leistungsfähig im didaktischen Sinn wird die Animation bei Verwendung von Präsentationsprogrammen.

Abb. 3: Zwei Stufen der elektronischen Animation

Beispiel. Erstellung und Einsatz einer animierten Folie am Beispiel des Rutherford-Versuches. Anleitungstext. Animation in Ziel und Ergebnis als PowerPoint-Datei.

Bei der Abdecktechnik erscheinen sukzessive Inhalte der Folie Vortrag begleitend, indem Zeilen oder Absätze zur Sicht freigegeben werden. Wie die anderen Präsentationstechniken dient sie der Fokussierung der Aufmerksamkeit der Zuhörer. Wie jede der Präsentationstechniken kann auch diese durch exzessiven Gebrauch ad absurdum geführt werden. Wenn ein halbes Dutzend Klappen, mit Klebefilm auf einer Folie an verschiedenen Stellen angeheftet, mehrmals auf- und wieder abgedeckt werden, wirkt eine an sich vorteilhafte Technik bald albern.

Demonstration. Positiv- und Negativbeispiel.

Folie und Arbeitsblatt sind Medien geringer Informationsdichte, da es sich um statische, oft sogar nur schwarzweiße Bilder oder Grafiken ohne Ton handelt. Die Aufmerksamkeit der Lernenden kann gut auf das Wesentliche fokussiert werden.

Einsatz. Bezüglich der didaktischen Intention unterscheiden sich Folie und Arbeitsblatt durchaus: Folien können "fertig" sein, also Komplettinformation enthalten, während dies für das Arbeitsblatt die Ausnahme sein sollte (Arbeitsblatt). Wichtig ist, dass Folien Tätigkeiten der Lernenden maximal synchronisieren und die Aufmerksamkeit auf die Projektionsfläche fokussieren. Arbeitsblätter findet man eher im gegenteiligen Bereich: der Einzel- bis Gruppenarbeit oder sogar im Dienst der Differenzierung bei individuellen Lerntempi. Im Fall der Anwendung von Aufbautechnik erscheint der Folieneinsatz gern als Ersatz für die Entwicklung einer Tafelskizze. Bei weniger bedeutsamen Inhalten (Ausblick, Überblick) ist das sicher sinnvoll. Wenn Inhalte ins Heft übernommen werden sollen (Einblick, Verständnis), stellt sich beim Lehrenden ein Zeitüberschuss gegenüber Lernenden ein, da er meistens schneller schreibt und den Inhalt schon kennt. Die Wertung hängt nun davon ab, was er aus dieser übrigen Zeit macht: eine Steigerung des Unterrichtstempos wird schnell bedenklich, ein Gang durch die Klasse mit persönlichen Hinweisen, wo dies nötig erscheint, ist hingegen sehr zu begrüßen. Für einen generellen Ersatz der Tafel in all ihren Funktionen besteht nur in Ausnahmefällen ein Grund.

Das Arbeitsblatt sollte nicht so extensiv eingesetzt werden, dass es zum Ersatz für selbstgestaltete Hefteinträge wird. Probleme dieses Mediums haben nichts mit dem Prinzip "Arbeitsblatt" zu tun, sehr wohl aber mit Unterrichtsmethodik. Wird es gezielt und sparsam eingesetzt und wird der Typ hinreichend variiert, kann man damit über weite Strecken arbeiten, ohne dass sich Überdruss einstellt.

Eckert unterscheidet für naturwissenschaftlichen Unterricht:

  1. Das Ergebnissicherungsblatt. Lückentext und fertige Skizzen zur Beschriftung dienen der Festigung von Fachsprache, unvollständige oder alternative Versuchsskizzen, falsche und richtige gemischt, zwingen zur Auseinandersetzung mit dem Aufbau.
  2. Das Schülerversuchsblatt. Es sollte einen in klarer Sprache abgefassten Arbeitsauftrag, die Versuchsaufbauskizze, eine Liste aller erforderlichen Geräte und Chemikalien, Beobachtungsaufträge und Raum für die Beschreibung der Beobachtung, Anregungen zur Interpretation der Beobachtung, Platz für das bereinigte Ergebnis aus der Abschlussbesprechung, Sicherheitshinweise sowie Hinweise zur Entsorgung enthalten.
  3. Das Kontrollblatt. Kontrolliert werden Lehr- und Lernziele, mit oder ohne Leistungsmessung. Das Blatt sollte eine klare, eindeutige Aufgabenbeschreibung in einfachen, kurzen Sätzen enthalten. Die Aufgaben sollten von unterschiedlichem Typ und Schwierigkeitsgrad sein. Klare Hinweise sollten sicherstellen, dass die Aufgabentypen verstanden werden: "streiche falsche / richtige Antworten an", "zwei von sechs Antworten sind richtig", "stelle (die Gleichung) richtig", "gib Lösung und Lösungsweg an", "nenne drei Beispiele"... Der Umfang bzw. die Unterteilung in Teilaufgaben soll so kleinschrittig sein, dass jeder Teil in ca. 3 Minuten bearbeitet werden kann.
  4. Das Übungsblatt. Es unterscheidet sich vom Kontrollblatt dadurch, dass es längerfristige Lehrziele sichert und soll ebenfalls unterschiedliche Aufgaben enthalten: Pflicht und Kür, schwere und leichte, "ältere" und "jüngere", komplexe und einfache, Text-, Rechen- und Beschriftungsaufgaben, Aufgaben in Brettspiel- oder Kreuzworträtselform [9], Arbeiten mit der "Antwortmaschine"...

Abb. 4: Grundschülerin an der "Antwortmaschine".

Demonstration. Ergebnissicherung, Schülerexperiment, Kontrollblatt, Übungsblatt.

Besonders wichtig aus methodischer Sicht ist dabei, dass der Charakter bei den Typen 3 und 4 Lernenden stets bekannt gegeben sein sollte:

  • Üben soll Freude machen, dann macht man es gerne wieder;
  • Kontrolle ist immer in gewisser Weise belastend, auch wenn man als Kontrollierter das Gefühl hat, den Anforderungen gewachsen zu sein.

Der Einsatz von Sonderformen des Arbeitsblattes wird davon abhängen, welche Präferenzen eine bestimmte Lehrenden/Lernenden-Konstellation hat. Dabei sollte man sich nicht unbedingt einen bedeutenden Beitrag zum Erwerb kognitiver Fähigkeiten erwarten, auch wenn Untersuchungen dazu fehlen. Auch wenn der Lehrende kein Freund von Kreuzworträtseln oder Brettspielen ist, so könnten manche Lernende doch vom gelegentlichen Einsatz angespornt werden.

Ein durchgängig einheitlich gestalteter Kopf hilft, liegen gebliebene Blätter nach Schülerübungen dem Besitzer zuzuordnen. Und, sollte das Blatt wirklich mal nicht vergessen worden sein, so Hilft der Kopfeintrag im Fall der Verwendung von Ordnern bei Sortierarbeiten zu Hause.


Abb. 5: Beispiel für einen einfachen, durchgängig verwendbaren Arbeitsblatt-Kopf.

Kontrollen beim Durchgehen oder durch Einsammeln liefern dem Lehrenden Informationen darüber, inwieweit der Einzelne das Lehrziel des Arbeitsblattes erreicht hat. In den Augen der Lernenden steigern Kontrollen den Wert dieses Mediums.

Vorteile. Heute kann in allen Schularten von einer Allgegenwärtigkeit von Tageslichtprojektoren (Overheadprojektoren) ausgegangen werden. Die gewöhnliche Lichtleistung von Bauarten mit Halogenlampen (bis 250W) reicht in hellen Räumen selten für gute Sichtbarkeit ohne ein gewisses Maß an Abdunkelung. Zur Verwendung der mittlerweile veralteten LCD-Technik in Zusammenhang mit einem Computer sind Geräte mit sehr lichtstarken Lampen (z.B. Quecksilberdampflampen, 550W) erforderlich. Letztere benötigen eine Aufwärmzeit von mehreren Minuten und erlauben kein häufiges an- und abschalten, was den Einsatz etwas erschwert. Laufgeräusche des Projektorlüfters können die Verständlichkeit der Stimmen stark beeinträchtigen.

Demonstration. Leistungsfähiger OHP. Innenleben eines herkömmlichen OHP mit Halogenlampe. Wechsel einer Halogenlampe.

Demonstration. Funktionsprinzip eines OHP anhand einer PowerPoint-Präsentation, (mit freundlicher Genehmigung von Dr. Bartscherer, TU München).

Folienprojektion lässt sich sehr gut mit anderen Medien kombinieren, etwa der Tafel, dem Experiment oder dem Arbeitsblatt:

  • Auf der Tafel stehen z.B. im Rahmen von Schülerübungen variable (Mess- und Analysenergebnisse),
  • auf der Folie fixe Inhalte (Versuchsanleitung, Aufbauskizze, Arbeitsauftrag).

Leider erlauben oft planerische Fehler in Fachräumen den parallelen Einsatz gar nicht. Eine Form der "stummen Kombination" ist es, Tafelskizzen in der Unterrichtsvorbereitung als Folien auszuführen und im Unterricht als Gedächtnisstütze zur Erstellung des Tafelbildes zu nutzen. Nach dem Wischen der Tafel sind die Inhalte nicht verloren. Ohne die Beschriftungsebene lassen sich Leistungsmessung oder Lehrzielkontrolle nachweislich an der identischen Kopie des Tafelbildes durchführen.

Nachteile.

  • Projektionsentfernungen unter 2 Metern verursachen starke Bildverzerrung, über 4 Meter ein für die meisten Flächen zu großes und/oder, je nach Projektortechnik, zu lichtschwaches Bild. Zoomobjektive sind nicht bekannt.
  • Bequeme Einsetzbarkeit und breite Verfügbarkeit verführen zu einer hohen Foliendichte, was Unterricht leicht auf die Ebene von Vorträgen absinken lässt: Monologisierung, Lehrerzentriertheit, unangemessen hohes Tempo, Informationsüberfrachtung. Erfreulicherweise haben sich Folienmaterialien auf der Rolle im schulischen Unterricht nicht durchgesetzt.
  • Das Problem, dass, besonders was Fachräume betrifft, bei der Einrichtung kaum auf die Erfordernisse der Folienprojektion Rücksicht genommen wird, liegt zwar nicht am Medium selbst, wirkt sich aber beim Einsatz aus. Oft passt der mögliche Abstand des Projektors nicht zur Größe der Projektionsfläche, weil der Experimentiertisch oder das Lehrerpult im Weg sind. Entweder muss der Projektor bei Medienwechsel auf Tafel oder Experiment stets verschoben werden, oder man nimmt starke Verzerrungen oder alternative Projektionsflächen, die nicht für alle Lernenden bzw. nur durch ungünstige Kopfhaltung einsehbar sind, in Kauf.
  • Die Verwendung des Computers verleitet zu Kunstfehlern: Schriftgrößen unter 14 Punkten sind nur auf dem Bildschirm gut lesbar, nicht jedoch bei der Projektion von Folien für die in der letzten Reihe eines Klassenzimmers sitzenden Lernenden. Ideal sind 16-20pt, fetter Schriftschnitt. Handschriftliche Ergänzungen erfordern auf Arbeitsblättern viel mehr Platz als gedruckter Text. Sehen Sie Platz für 20pt große Zeichen vor. Des weiteren ist grundsätzlich eine klare, serifen- und schnörkellose Schriftart (z.B. Arial) zu empfehlen. Helle Farben kontrastieren mit der weißen Projektionsfläche schlecht: gelb, braun, orange sollten nach Möglichkeit gemieden werden. (Siehe auch Exkurs zum Mediendesign in der Gliederung).

Zeigen. Zum Zeigen auf "Folien" tobt ein Glaubenskrieg: während die Einen meinen, man dürfe ausschließlich auf dem Vorlagentisch des OHP zeigen, behaupten die Anderen genau das Gegenteil, nur an der Projektionsfläche sei es richtig. Beide haben Unrecht. Richtig ist, dass man beides tun kann, sich aber jeweils der Leistungen und Probleme bewusst sein muss:

  • zeigen auf dem Vorlagentisch: nie mit dem Finger, da Zeigen zu ungenau ist und die Folie mit dem Zeigen verrutschen kann; besser mit einem spitzen Gegenstand (Bleistift) oder professionellem Zeigegerät aus Kunststoff.
  • zeigen auf der Projektionsfläche: nie mit dem Schatten des Zeigestabes; ein Zeigestab ist erforderlich, muss aber aufliegen.
zeigen auf: Vorteil Nachteil
Vorlagentisch -Blick zum Auditorium

-keine Größenprobleme

-Zeigewerkzeug erforderlich
Projektionsfläche -Folie kann nicht durch Zeigebewegung verrutschen (besonders bei Aufbaufolien) -Blick zur Proj.fläche

Hinweis: Sicherheitsfachleute warnen vor dem Gebrauch von Laserpointern (DGUV Pluspunkt Heft 4, 11/2011). Zum Einen ist Billigware auf dem Markt, bei der die Zuordnung zu den Leistungsklassen nicht stimmt, zum Anderen sei der Einsatz in Schulen unnötig.

Der letzten Einschätzung schließen wir uns an: zum Zeigen genügen die o.a. Maßnahmen. Ganz sicher gilt: Laserpointer gehören nicht in Schülerhände. Eine Reihe von Augenschädigungen in den letzten Jahren belegt das.

Erweiterung 1. Fast jede Applikation, die in Zusammenhang mit der Tafel erwähnt wurde, lässt sich aus (buntem) Folienmaterial fertigen und auf der Projektionsfläche manipulieren. Wer das Wölben in der Wärme vermeiden will, greift zu Kunstglas, das zwar teurer ist, aber sich vorsichtig sägen, schleifen und bunt mit selbstklebender Transparentfolie markieren lässt. Auch wenn die Teile einer Applikation passgenau herumgeschoben werden müssen (z.B. zum Thema "Funktionsweise von Enzymen"), sind Materialien mit 2-3mm Höhe besser geeignet als Folien.

     Mg             +            2H+                        

                                                 Mg2+  +  H2

Abb. 6: Applikationen für die Projektionsfläche des OHP, [6]

Erweiterung 2. "Handouts" sind arg modern. Darunter versteht man in der Regel eine schriftliche Zusammenfassung (Handreichung) eines Vortrages, die zum Mitnehmen aus der Vortragsveranstaltung gedacht ist.

Um sich zu merken, was in eine Handreichung hinein gehört ist es hilfreich, sich den Zweck zu vergegenwärtigen:

  • klar angeben, wer vorträgt, woher er kommt und in welcher Funktion er spricht
  • Hörer auf das Thema einstimmen, gedanklich vorbereiten (Vermeiden von Osterhasen-Pädagogik)
  • Struktur des Vortrages besser transportieren
  • Faden wieder finden, falls der verloren geht
  • detailliertes Mitschreiben ersparen, also wichtigste Inhalte, Schlüsseldaten, vor allem Grafiken, liefern. Damit konterkariert man zwar den Lerneffekt, der sich beim Mitschreiben ergeben würde, Handouts werden aber nicht für Unterricht, sondern für Referate oder Vorträge ausgegeben.

Ich nutze Handouts als Gedächtnisstütze für spätere Wochen, Monate, Jahre.

Daher leiten sich die Formvorschläge ab:

  1. Kopf. Dieser enthält Titel, Name, Anlass, Datum des Vortrages, ev. Namen von Betreuern oder Kursleitern.
  2. Titel oder Thema.
  3. Inhalt. Hier steht
    • das Problem knapp geschildert,
    • jeder Gliederungspunkt,
    • zu jedem knapp der Inhalt,
    • die wichtigsten Grafiken (1-2, in Farbe),
    • ggf. kurze Experimentbeschreibung, Formeln (keine Herleitung),
    • die Lösung des Problems.
  4. Fuß mit Quellen und Literatur unter Beachtung der Zitierweise.

Der Umfang beträt 1 Seite (Vorträge bis 15 Min.) oder 2 Seiten, die auf 1 Seite verkleinert wurden (Vorträge um 30-45 Minuten). Eigens Platz für Notizen ist eher überflüssig: bei Stichwortangaben ergeben sich sowieso Freiflächen bzw. bei 1 Seite gibt es immer noch die Rückseite.

Bsp. (kommt noch).

Ausblick. Elektronische Arbeitstransparente (elektronische Präsentationen, auch kurz: Präsentationen) werden im Unterricht in zunehmendem Maß eingesetzt. Sie erfordern zwar einen höheren technischen Aufwand (Computer, Software, Datenprojektor), die zunehmend leichte Verfügbarkeit der Geräte wird die Vorteile bald in den Vordergrund treten lassen, denn

  • sie sind noch einfacher zu aktualisieren und elektronisch zu verbreiten (E-Mail, WWW-Publikation),
  • sie können leicht in multimediale Präsentation eingebunden werden und
  • erlauben die Darstellung beweglicher Formeln in 3D sowie
  • einige didaktisch sehr wertvolle Animationseffekte.

Folien als PowerPoint-Präsentation

Übungen

Zusammenfassung: Qualität von Folie, Arbeitsblatt, Poster

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E-Mail: Walter.Wagner ät uni-bayreuth.de