Didaktik der Chemie / Universität Bayreuth

Stand: 24.09.19


5.4 Lösungen


  1. III: Beschreiben Sie drei Gründe, warum fachlicher Chemieunterricht in Jgst. 5 nicht so ablaufen könnte (wenn er denn eingeführt würde), wie Sie ihn selber in Jgst. 9 erlebt haben.
    1. Laut Maria Montessori befinden sich Kinder in Jgst. 5 auf der Stufe des „Interesses an der Ursache und der Wirkung“ (6-12 Jahre). Chemieunterricht wird gerne fachsystematisch gegliedert, was ein großes Durchhaltevermögen erfordert, bis eine Ursache-Wirkungsbeziehung auf diese Art sichtbar wird.
    2. Die Kinder sind ca. 10 Jahre alt. Damit sind sie als Lernende in der Lage, konkret operational zu denken. Das formale (abstrakte) Denken, das für viele Teilgebiete der Chemie erforderlich ist, wird erst in der darauf folgenden Stufe erworben. Hypothesenbildung (wie sie in der Chemie oft gebraucht wird) ist jedoch in dieser Entwicklungsstufe nicht möglich. Ab dem Alter von 11 Jahren wird Hypothesenbildung möglich (in der Regel Mitte bis Ende der Jgst. 5, je nach individueller Entwicklung).
    3. Es ist Lernenden auch noch nicht möglich, sich Raumstrukturen von Molekülen vorzustellen. Die Raumvorstellung ist bei vielen noch nicht weit genug ausgeprägt.
  2. III: Beschreiben Sie einen fachlichen Inhalt aus dem Anfangsunterricht Chemie, für den formale Denkoperationen nötig sind. Begründen Sie.
    Atombau (C NTG 8.2) Kern-Hülle-Modell:
    -Proton, Neutron, Elektron: die Rolle von Neutronen für den Zusammenhalt des Atomkerns.
    -Elektronenkonfiguration, Energiestufen, Ionisierungsenergie: Energiestufen als Aufenthaltsort für Elektronen; Welle-Teilchen-Dualismus bei Elektronen.
    -Valenzelektronen, Valenzstrich-Schreibweise: z.B. unterschiedliche Darstellungsweisen eines Elektrons, als Punkt, als Teil eines Striches, als s- oder p-Orbital, als delokalisierte Elektronenwolke. Dabei muss gleichzeitig bewusst sein, dass es sich stets um Modelle handelt, also um ein gedachte Vorstellungen in unzureichender Darstellung. Darstellungen können nicht anhand von Gegenständlichem überprüft werden, stützen sich aber auf experimentelle Befunde.
  3. III: Bewerten Sie die Rolle von Geschlechtsunterschieden für den CU.
    Verschiedene Wissenschaften sind sich nicht einig, inwieweit Geschlechtsunterschiede existieren zweifelsohne. Woher sie stammen (vererbt vs. sozial erworben) bzw. inwieweit sie sich auf das Unterrichtsgeschehen auswirken ist umstritten. Studien können gewisse Trends aufzeigen, die Ergebnisse sind aber oft von der Fragestellung und von der Denkrichtung, aus der die Frage heraus gestellt wird, abhängig. Deshalb sollte mehr Wert auf individuelle Förderung, Potenzialentfaltung und differenzierten Unterricht gelegt werden denn auf Profilierung oder Nivellierung von Geschlechtsunterschieden.

    E-Mail an: Walter.Wagner ät uni-bayreuth.de