Didaktik der Chemie / Universität Bayreuth

Stand: 24.09.19, Seiten 4.71-4.73


4.4.10 Unterrichtseinheiten UE


Input

Eine Unterrichtseinheit ist eine kleinste Planungseinheit für Unterricht, in der eine klar begrenzte Zielsetzung verfolgt wird und die den Lehrprozess zu einem (vorläufigen) Abschluss bringt.

Die UE darf nicht mit Unterrichtsstunde verwechselt werden. Letztere ist eine rein zeitliche Einheit und ist für die Gliederung von Unterricht denkbar ungeeignet. Erstens ist eine Unterrichtsstunde in unterschiedlichen Schularten, Bundesländern und Ländern unterschiedlich lang (30-60 Minuten), zweitens sollten rein zeitliche Grenzen nicht begrenzend auf Inhalte wirken. Natürlich berücksichtigen Lehrende die zeitlichen Grenzen bei ihrer Planung, das darf aber nicht so weit gehen, dass jede Einheit entweder 45 oder 90 Minuten dauert.

Damit wird klar, dass sich die Tätigkeit eines Lehrenden zum größten Teil um die Planung und Durchführung von Unterrichtseinheiten dreht. Deswegen beschäftigen sich auch gleich drei Veranstaltungen Ihrer Didaktikausbildung an der UBT mit dem Thema:

  1. Diese Veranstaltung liefert einen (theoretischen) Überblick über die grundsätzliche Struktur von UE sowie die Beziehung zwischen Unterrichtsmethode und UE.

  2. In der Übung "Planung" wird dieser Überblick in planerisches Handeln überführt, indem Sie eine UE zu Übungszwecken praktisch erstellen.

  3. Im Begleitseminar zum Studienbegleitenden Fachdidaktischen Praktikum wird die Planung an weiteren Beispielen eingeübt, wobei Sie mindestens zwei der geplanten UE auch mit einer Schulklasse erproben.

Zeitlich bewegt sich eine Unterrichtseinheit zwischen 15 Minuten und 1-2 Stunden. Wir streben eher kurze UE an,

  • damit Lernende leichter den Überblick über den gesamten Verlauf behalten,

  • weil sich dann ein hilfreiches Prinzip für die Planung von Unterricht umsetzen lässt, nämlich das Ein-Lehrziel-eine-Methode-Prinzip (siehe Veranstaltung "Planung von Unterricht" im 4. Semester), und

  • weil ein solcher Zeitraum empirisch und neurobiologisch/lernpsychologisch fassbar ist.

Empirisch machen Lehrende oft die Erfahrung, dass Lernende nach 15-20 Minuten in ihrer Aufmerksamkeit nachlassen. Deswegen wäre ein Abschluss des Gedankenganges kurz vorher sehr geschickt. Eine kurze Entspannungspause wäre danach sehr hilfreich.

Neurobiologisch kennt man ein Zeitfenster von 300s, das ein Intervall beschreibt, in dem sich die meisten Menschen auf eine Aufgabe konzentrieren. Lernpsychologisch ist das Zeitfenster bestätigt. 300s sind 5 Minuten - der Rest der Zeit bis zu 15 Minuten dient notwendigen pädagogischen Maßnahmen wie Hinführung zur Aufgabe oder Festigung der Erkenntnisse.


Abb. 1: Struktur einer Unterrichtsstunde, bestehend aus zwei Unterrichtseinheiten.

In der Regel wird man als Lehrender 1-2 Unterrichtseinheiten je Stunde abschließen können.

Begrenzt wird eine UE also inhaltlich, in Kurzform beschrieben durch ein kognitives Lehrziel (mehr dazu in höheren Semestern).

Methodenwechsel ist essentiell. Jedes höhere Lebewesen ist so gebaut, dass stereotyp sich wiederholende Situationen zu Langeweile führen. Das wollen Sie doch in Ihrem Unterricht vermeiden ;)


Zur eigenen Kontrolle:

  1. II: Beschreiben Sie, was man unter einem Methodenwechsel zu verstehen hat. Geben Sie dazu ein konkretes Beispiel zu einem selbst gewählten fachlichen Thema.

  2. III: Ordnen Sie in Bsp. 2 (oben) zu jeder UE eine Unterrichtsmethode zu. Es sollten möglichst viele Methodenwechsel vorkommen.

  3. III: Im Lehrplan der Jahrgangsstufe 5, Fach Natur und Technik finden Sie folgenden Punkt zum Bereich Arbeitsmethoden: "Experimentieren: z. B. Versuche planen, aufbauen, durchführen, auswerten". Zeigen Sie, wie Sie mit einem (1!) geschickten Methodenwechsel alle vier angegebenen Ziele erreichen können.

Hinweise zur Lösung


Download der Abbildung als PowerPoint-Präsentation


    E-Mail an: Walter.Wagner ät uni-bayreuth.de