Didaktik der Chemie / Universität Bayreuth

Stand: 24.09.19


4.4.7 Lösungen


  1. II: Arbeiten Sie heraus, worin Unterschiede zwischen der SVO- und der forschenden UM bestehen.
    Bei der SVO-UM liegt eine andere Art der Problemgewinnung vor als bei der forschenden UM. Bei der forschenden UM kann jede Motivation zu einem zu untersuchenden Problem führen. Bei der SVO UM geht man von der Situation aus, dass eine Fehlvorstellung für die Jahrgangsstufe bekannt oder in einer betroffenen Lerngruppe diagnostiziert wurde. Die ersten 5 Art.-Stufen der UM gleichen der forschenden UM (Problemgewinnung, Lösungsplanung, Lösung, Abstraktion, Sicherung), allerdings finden sich bei der SVO-UM noch zwei weitere, die Anwendung und die Metakognition. Die Anwendung dient dazu, die sehr persistenten Fehlvorstellungen mit einem weiteren Beispiel noch einmal gezielt anzugehen, um die Widerlegung durch das erste Beispiel zu bestärken. In der Metakognition lässt man Lernende ihren eigenen Lernprozess zurückverfolgen, um ihnen zu verdeutlichen, inwieweit und wann im Verlauf sich ihre Vorstellung geändert hat (conceptual change). Dabei können Lernende auch dazu Stellung nehmen, inwieweit die neue Vorstellung für sie überzeugend ist.

  2. II: Untersuchen Sie, inwieweit sich die historische Unterrichtsmethode zu einer SVO-Methode erweitern ließe.
    Man kann davon sprechen, dass auch die Geschichte der Chemie und deren Forscher darauf aufbaut, dass es immer wieder Fehlvorstellungen gab, die korrigiert werden mussten. Die Forscher merkten immer wieder, dass sie mit ihren Modellen und Hypothesen bzw. Theorie-Konstrukten an Grenzen stießen und erkannten dadurch, dass sie wohl einer Fehlvorstellung aufgesessen waren, die es zu korrigieren galt. Zu dieser Korrektur verwendeten sie ihre Forschungsergebnisse aus Experimenten. Dazu gehörte auch manchmal zu erkennen, dass sie komplett in einer Sackgasse gelandet waren. Ein Beispiel hierfür ist die Phlogiston-Theorie. Es muss den Forschern der damaligen Zeit wohl genauso schwergefallen sein, von ihrer Vorstellung abzuweichen und sich auf ein neues Konzept einzulassen. Dies findet man so ähnlich bei Lernenden wieder. Sie haben auch ihre Vorstellungen, an denen sie fest halten und die durchaus die gleichen sein können wie die der Forscher der damaligen Zeit. Daher kann dies dazu genutzt werden, eine genetisch-historische Unterrichtseinheit zu entwerfen, bei der eine solche Fehlvorstellung der Forscher (im Idealfall genauso wie bei Lernenden) vorliegt. Es kann nach dem Artikulationsschema der SVO-UM vorgegangen werden, wobei jedoch die Lösungsplanung und die Lösung anhand der Erkenntnisse der Forscher der damaligen Zeit erfolgen kann. Bsp. Vernichtungskonzept: wie prüften die Forscher experimentell die Produkte der Verbrennung?

  3. II: Ordnen Sie die folgenden Aussagen den Begriffen Vorwissen bzw. Fehlvorstellung zu:
    -Wasser siedet bei 100°.
    Vorwissen. Es kann erweitert werden durch Siedepunktserhöhung, Siedepunkt bei verschiedenen Druckverhältnissen etc., ist jedoch nicht falsch, da es der Siedepunkt von Wasser bei Normbedingungen ist.
    -Wenn man große Teilchen (Eisenatome) mit kleinen Teilchen (Sauerstoffatome) mischt, rutschen die Sauerstoffteilchen zwischen die Eisenteilchen.
    Fehlvorstellung. Ausschlaggebend für die Raumfüllung sind die intermolekularen Kräfte zwischen den Teilchen und nicht die Größe der Teilchen selbst. Zwischen Teilchen im Feststoff oder in Flüssigkeiten ist nie genug Platz (i.S.v. Leerraum) für andere Teilchen.
    -Wenn man einen Eisennagel in Säure legt, dann löst er sich auf.
    Fehlvorstellung. Das Lösen ist ein rein physikalischer Vorgang. Hier findet jedoch eine chemische Reaktion (Redoxreaktion) statt, bei der das Eisen zu Eisen(II)-kationen oxidiert wird und elementarer Wasserstoff (reduzierter Teil) freigesetzt wird.
    -Warme Luft ist leichter als kalte Luft.
    Fehlvorstellung. Betrifft den Begriff Masse gegenüber Dichte. Masse ist nicht anders, die Dichte schon.

    E-Mail an: Walter.Wagner ät uni-bayreuth.de