Didaktik der Chemie / Universität Bayreuth

Stand: 24.09.19


4.4.6 Lösungen


  1. II: Geben Sie Umstände an, unter denen sich der Einsatz eines zeitaufwändigeren Projektes gegenüber einer zeitsparenden entwickelnden UM dennoch aus Sicht von Lehrenden UND Lernenden lohnt.
    Projektunterricht ermöglicht vor allem bei starkem Alltagsbezug in der Initiative wesentlich nachhaltigeres Lernen als die entwickelnde Methode. Die Initiative soll dabei von Lernenden ausgehen, das heißt, Lehrende sollten nur das bereits vorhandene Interesse von Lernenden aufgreifen und dieses aufrecht erhalten bzw. sogar ausbauen. Daher, dass es sich um eine Alltagsbeobachtung oder -problem handelt, werden Lernende sich auch über den Unterricht hinaus an den Sachverhalt erinnert oder ihr Wissen in Alltagssituationen sogar an andere weitergeben (z.B. Eltern, Geschwister, Freunde). Lernenden erscheint das Gelernte dadurch wichtiger und sie behalten es dadurch länger im Gedächtnis. Ein weiterer Punkt, der das längerfristige Behalten fördert, ist die starke Handlungsorientierung, die in der UM Projekt gefordert wird. Die Problemlösekompetenz wird geschult (PISA-Studien kritisierten geringe Ausprägung dieser Kompetenz bei deutschen Schülern), indem Lernende selbst nach Lösungen suchen und diese verfolgen. Das Aufbrechen der strengen Fächerung führt zu einem ganzheitliche(re)n Konzept, wie es auch die Alltagswelt erfordert.

  2. II: Formulieren Sie mit wenigen Stichworten eine Unterrichtseinheit zum Thema "Wiegt Luft nichts?" nach der projektorientierten UM.
    Initiative: Lernende sollen in einer Unterrichtseinheit (projektorientiert) heraus finden, ob Luft ein "Gewicht" (eigentlich Masse) hat.
    Skizze: Es werden 1-2 Unterrichtsstunden zur Verfügung gestellt. Es werden mehrere verschiedene Möglichkeiten der Massenbestimmung von Luft in Erwägung gezogen. Eine Möglichkeit besteht darin, einen mit Luft befüllten Kolben mit einem Stopfen zu verschließen und zu wiegen. Anschließend wird mit einem Vakuumgerät die Luft aus dem Kolben entzogen. Anschließend soll dieser erneut gewogen werden. Bei der zweiten Möglichkeit werden 2 Luftballons des gleichen Fabrikats (Form, Größe, etc.) herangezogen. Davon wird einer aufgeblasen und bei dem anderen darauf geachtet, dass sich so wenig Luft wie möglich darin befindet. Die Luftballons werden an den gegenüberliegenden Seiten eines Kleiderbügels aufgehängt (ähnlich einer Waage).
    Plan: Die Klasse findet sich zu 4 Gruppen zusammen, von denen Grp. 1-2 Möglichkeit 1 und Grp. 3-4 Möglichkeit 2 verfolgen.
    Durchführung: die Gruppen verfahren nach Plan. Die Gruppen 1-2 erhalten einen exakten Wert über die Gewichtsdifferenz. Dahingegen erhalten die Gruppen 3-4 ein schnelleres und sehr anschauliches Ergebnis.
    Abschluss: Die Gruppen berichten von ihren Erfahrungen und stellen fest, dass der Weg der Erkenntnis bei beiden Experimenten gleich ist.

  3. II: Vergleichen Sie die projektorientierte mit der forschenden UM. Stellen Sie Gemeinsamkeiten und Unterschiede heraus.
    Beide UM arbeiten lernenden-zentriert.
    Die Artikulationsstufen unterscheiden sich:
    - projektorientierte UM Initiative, Skizze, Plan, Durchführung, Abschluss
    - forschende UM (entdeckend) Problemfindung, Lösungsplanung, Lösung, Abstraktion, Sicherung
    -forschende UM (entwickelnd) Problemstellung, Lösung, Abstraktion, Sicherung.
    Die entdeckende UM und die projektorientierte UM haben gemeinsam, dass hier zu Beginn Lernende die Thematik bestimmen (Problemfindung bzw. Initiative) und Lehrende dies aufnehmen. Im Gegensatz dazu wird bei der entdeckenden UM das Problem durch Lehrende gestellt. Sowohl bei forschenden UM, als auch bei projektorientierten UM steht die Handlungsorientierung im Vordergrund. Beide erfordern außerdem ein hohes Maß an selbstständigem Handeln durch Lernende.

  4. II: Ihre Schule möchte eine Projektwoche (am Ende des Schuljahres!) mit dem Motto „Wir retten die Welt. Mach mit!“ veranstalten. Nach einer Diskussion mit Ihren Lernenden wählen Sie gemeinsam das Thema Treibhauseffekt aus. Entscheiden Sie, ob es sich um ein Projekt im Sinne von Dewey handelt und erläutern Sie einen möglichen Ablauf mit Hilfe der entsprechenden Artikulationsstufen (Phasen).
    Ergebnis muss begründet werden und kann in beide Richtungen ausfallen:
    a. Nach Dewey handelt es sich hierbei nicht um ein Projekt, da die Initiative nicht von Lernenden ausgeht. Das Motto wurde von der Schule ausgegeben und Projekte vorgeschrieben.
    b. Nach Dewey handelt es sich hierbei um ein Projekt, da zwar das Motto von der Schule kommt, das Thema im engeren Sinn aber von Lernenden ausgesucht wurde. Alle anderen Bedingungen sind erfüllt:
    -es liegt ein Arbeitsvorhaben vor, das eindeutig dem Lehrzweck dient.
    -Bei der Treibhauseffekt-Thematik handelt es sich um eine reale Lebensaufgabe, die auch für Lernende von praktischer Bedeutung ist (Klimawandel kann die Welt und damit unser Umfeld und unsere Lebensbedingungen verändern!).
    -Man kann von einer Bewältigung sprechen, dass ein sinnhaftes, greifbares und praktisch brauchbares Ergebnis liefert, wenn man zum Beispiel thematisiert, wie jeder Einzelne im Alltagsleben dazu beitragen kann, seine Treibhausgas-Emission zu verringern.
    Initiative: Die Lernenden möchten Möglichkeiten erproben, im Alltag Treibhausgase „einzusparen“
    Skizze: In einer Diskussion versuchen Lernende, verschiedene Treibhausgas-Quellen in ihrem Alltag zu identifizieren (Autofahren, Transportwege von Alltagsgütern, bei Energieverbrauch, weniger Fleisch essen...)
    Plan: Lernende beschließen, dass jeder für sich selbst festlegt, wo er einsparen möchte und dies festhält. Z.B. 5 km mit dem Fahrrad zur Schule fahren statt mit dem Auto oder Fahrgemeinschaften bilden statt jeder selber fahren.
    Durchführung: Jeder Lernende hält für sich eine Woche lang fest, welche Einsparungen vorgenommen wurden. Es werden Tabellen zur Verfügung gestellt, die zeigen, wie viel eine Maßnahme einspart. Z.B. würde 1 km Autofahrt mit einem Benzin verbrauchenden Kleinwagen 140g CO2 einsparen. Dies kann dann auf alle Einsparungen hochgerechnet werden.
    Abschluss: Lernende können sich untereinander ihre Maßnahmen und Einsparungen gegenseitig vorstellen und vergleichen. Am Ende der Projektwoche kann die Schule errechnen, wie viele kg CO2, CH4, etc. ihre Lernenden eingespart haben. Dieses Ergebnis kann veröffentlicht werden (Schüler-Zeitung, Jahresbericht der Schule, Regional-Zeitung). Denkbar wäre auch eine Teilnahme an einem Umweltwettbewerb mit den Ergebnissen.


    E-Mail an: Walter.Wagner ät uni-bayreuth.de