Didaktik der Chemie / Universität Bayreuth

Stand: 24.09.19


4.4.04 Beschreibung
Hinweise zu Lösungen für die Selbstkontrollen


  1. II: Diskutieren Sie einen Zusammenhang zwischen obigem Spruch und Unterrichtsmethoden.
    Der Begriff „Werkzeug“ aus diesem Spruch bezieht sich auf alle möglichen Unterrichtsmethoden, denn die Unterrichtsmethoden sind die Werkzeuge des Lehrenden. Der „Hammer“ steht für eine spezielle Methode, die zu manchen Themen, also „Nägeln“ aus Sicht des Lehrenden am besten passt/geeignet ist. Dieser Spruch soll die Problematik verdeutlichen, wenn Lehrenden nur eine bzw. wenige Unterrichtsmethoden (also Werkzeuge) zur Verfügung stehen, um ihre Lehrziele zu erreichen. Da der Lehrende es nicht besser weiß, wählt er immer wieder die gleichen Methoden aus, auch wenn andere besser geeignet wären. Doch da er diese anderen nicht kennt, kreist er immer um sein gleiches Methodenrepertoire und denkt dabei alles richtig zu machen. Dabei wird unabhängig vom Thema immer die gleiche Methode angewendet, auch wenn diese nicht so sinnvoll ist (Vergleich: Hammer für das Eindrehen einer Schraube verwenden (wollen)). Durch einen Mangel an Werkzeugen kann man nicht flexibel auf Probleme und Herausforderungen reagieren. Es ist daher geschickter, verschiedene Werkzeuge (Methoden) zur Verfügung zu haben, um unter-schiedliche Probleme (Lernziele) angemessen zu lösen (vermitteln). Für den Lehrberuf bedeutet dies auch, sich immer wieder fortzubilden, seine Methoden zu hinterfragen und den Unterricht zu reflektieren.
  2. I: Arbeiten Sie Vor- und Nachteile von geschlossenen Unterrichtsmethoden heraus.
    Vorteile: kein Grundwissen wird übersehen, klare fachliche oder strukturelle Gliederung, gut für komplexe / komplizierte Themen geeignet.
    Nachteile: Lehrende aktive Rolle, Lernende unselbständige, passive Position; Gefahr der Gängelung, wenig Flexibilität, da strikte Vorgabe von Inhalten, Zielen, Lernwegen (Abweichungen nicht vorgesehen) usw.; alle Lernenden müssen mit der Darbietungsgeschwindigkeit mithalten; keine Individualisierung möglich, Lernen auf Vorrat.
  3. I: Arbeiten Sie Vor- und Nachteile von offenen Unterrichtsmethoden heraus.
    Vorteile: Lernende haben aktive Rolle, Lehrende passive Position; mehr Freiheitsgrade bei Inhalt, Unterrichtsmethode, Sozialform, Zeit, Ort, Arbeitsform; individuelles Lerntempo der Lernenden unterstützt Selbständigkeit und soziales Lernen.
    Nachteile: vor allem leistungsstärkere Lernende profitieren, leistungsschwächere benötigen Unterstützung; viel Vorwissen oft erforderlich, nicht für alle Themen geeignet.
  4. I: Nennen Sie Beschreibungsmerkmale für Unterrichtsmethoden.
    • Inhaltlich (makromethodische Maßnahmen, Unterrichtsmethoden, mikromethodische Maßnahmen – speziell Methoden-Bausteine)
    • zeitlich (Wochen bis Jahre, Minuten bis mehrere Unterrichtsstunden, etc.)
    • methodisch (alltagsorientiert, entwickelnd, entdeckend, etc.)
    • strukturell (Artikulationsstufen z.B. nach Herbart, Niessen, Schmidkunz)
    • nach vorherrschender Arbeitsform (geschlossene/offene Unterrichtsmethoden).
  5. II: Hierarchisieren Sie die in dieser Einheit kennen gelernten Begriffe aus dem methodischen Bereich bezüglich der zeitlichen Reichweite.
    Makromethoden
    Methoden
    Mikromethoden (sehr kurz).
  6. Lehrende Nette Müller hält eine Unterrichtseinheit zum Thema "Trennung von Stoffgemischen". Dabei wählt sie als Einstieg das Problem, dass beim Zusammenkehren von Metallspänen auf Baustellen Sand-Metall-Gemische anfallen. Lernende sollen Lösungsvorschläge angeben, wie man reines Metall dem Altmetall-Händler zuführen könnte. Anschließend möchte sie verschiedene Trennmethoden in Form eines Lehrervortrages erläutern, der mit dazu passenden Bildern gestützt wird. Die Ergebnisse werden in Form einer tabellarischen Tafelanschrift festgehalten.
    a. I: Entscheiden Sie, ob es sich bei der UE um eine offene oder geschlossene Form handelt.
    Geschlossene UE, da den Lernenden in Bezug auf Inhalt, Unterrichtsmethode, Sozialform, Zeit, Ort und Arbeitsform keine Freiheitsgrade eingeräumt werden.
    b. II: Erläutern Sie 2-3 Maßnahmen, wie Frau Müller ihren Lernenden mehr Freiheitsgrade einräumen könnte.
    • Die Lehrende könnte ein Sand-Metall-Gemisch mitbringen und den Lernenden im Experiment selbst überlassen, wie sie das Problem lösen. Dadurch würde sie den Lernenden in Bezug auf die Arbeitsform Freiheitsgrade einräumen.
    • Frau Müller könnte den Lernenden selbst überlassen, mit wem sie das Sand-Metall-Gemisch trennen wollen (Gruppen, Einzelarbeit, etc.). Dadurch werden Freiheiten bei der Sozialform eingeräumt.
    • Dabei kann sie den Lernenden die Zeit einräumen, die sie dafür benötigen. Frau Müller könnte Gruppen oder Lernenden, die die Aufgabe früher als andere gelöst haben, weitere Gemische zur Verfügung stellen, die sie dann trennen sollen. Dadurch erhalten die Lernenden Freiheiten im Bereich der Zeit, aber auch in Bezug auf Inhalt, da sie sich aussuchen können, welche weiteren Gemische sie trennen wollen.
    c. II: Begründen Sie, inwieweit unterschiedliche Gruppen von Lernenden von den Maßnahmen aus b profitieren könnten.
    -Dadurch dass die Lernenden sich selbst Lösungswege zum Trennen des Gemisches überlegen, sind auch vielfältige Lösungswege möglich, wodurch darauf eingegangen wird, dass nicht jeder Lernende gleich denkt. So können Fehlvorstellungen vorgebeugt werden. Vielleicht hat sich ein Lernender einen Weg überlegt, der nicht zum gewünschten Ziel, der Trennung, führt. In einem Experiment kann er dies nun selbst herausfinden und andere Möglichkeiten austesten. Im zuvor gewählten Vorgehen der Lehrenden hätte diese nur gesagt, dass das nicht funktioniert. Für den Lernenden ist wohl einprägender, wenn er selbst herausfindet, dass der überlegte Weg nicht funktioniert, als dies nur zu hören.
    -Frei zu wählen, mit wem man zusammenarbeiten möchte ist für die Lernenden motivierender. Jeder kann bestätigen, dass es mit dem Freund/der Freundin mehr Spaß macht etwas zu tun, als mit jemanden, den man nicht mag. Des Weiteren gibt es auch Lernende, die bevorzugt alleine arbeiten. Ihnen wird man bei der freien Wahl ebenfalls gerecht.
    -Durch die freie Einteilung der Zeit kann jeder Lernende sein individuelles Lerntempo an den Tag legen. Dies kann Frust bei Lernenden vermeiden, die ein langsameres Lerntempo haben, denn im gleich getakteten Unterricht haben sie oft Mühe mitzuhalten. Auf der anderen Seite kommt bei Lernenden mit schnellerem Lerntempo durch Zusatzaufgaben keine Langeweile auf und es kann eine zusätzliche Förderung oder Einübung (durch Übungsaufgaben) erfolgen. Außerdem kann man durch eine Auswahl an weiteren Angeboten den jeweiligen Interessen der Lernenden entsprechen.

    E-Mail an: Walter.Wagner ät uni-bayreuth.de