Didaktik der Chemie / Universität Bayreuth

Stand: 24.09.19


4.4.3 Lösungen


  1. II: Arbeiten Sie je 2 Unterschiede und Gemeinsamkeiten der historischen und der forschenden Unterrichtsmethode heraus.
    Gemeinsamkeiten:
    • Parallelen in den Artikulationsschemata (Problemstellung, Sicherung, Abstraktion)
    • Beide Methoden können sowohl sehr lehrenden-zentriert (forschend-entwickelnd, historisch: Lehrender erzählt spannende Episoden), als auch lernenden-zentriert (forschend-entdeckend, historisch: anhand von aufbereiteten Quell-Texten) durchgeführt werden.
    Unterschiede:
    • Forschende UM: Artikulationsstufen Lösungsplanung und Lösung bei der entdeckenden bzw. nur Lösung bei der entwickelnden, historische UM: Artikulationsstufen Information und Durchführung
    • Grundidee der historischen UM: historische Informationen und Arbeitsweisen werden an verschiedenen Stellen des Unterrichts nachvollzogen. Bei der forschenden UM versuchen Lernende, mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln selbständig für sie neue Erkenntnisse zu gewinnen.

  2. III: Diskutieren Sie Besonderheiten einer möglichen historisch-genetischen UM.
    Die Besonderheit dieser UM besteht darin, dass die Entwicklung der Wissenschaft Chemie bei Lernprozessen eines Individuums und die Entwicklung der Erkenntnisse der Chemie im Verlauf ihrer Geschichte in Verbindung gebracht werden, da diese parallel sehr ähnlich verlaufen (können). Dabei macht man sich zu Nutze, dass die Schwierigkeiten von Lernenden häufig die Schwierigkeiten der Forscher früherer Zeiten waren. Anhand der Erkenntnisse der Forscher der damaligen Zeit kann es für Lernende einprägsam sein, wie jene zu den entsprechenden Ergebnissen gelangt waren. Des Weiteren können sich Lernende dadurch ein Stück weit mit dem Forscher identifizieren, da dieser in etwa auf dem gleichen Wissensstand war, wie Lernende es zu dem jeweiligen Zeitpunkt selber sind (psychische Nähe). Diese Tatsache spiegelt sich in dem Aufbau des Lehrplans wider, der ebenfalls Parallelen zu der Geschichte der Chemie aufzeigt. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass Lernende auch Grenzen von Theorien nachvollziehen und dann die Entwicklung neuer Theorien besser verstehen können (Atommodelle: Dalton, Rutherford, Bohr’sches Atommodell, Gillespie-Nyholm-Modell, etc.). Lernenden wird es anhand der Daten und den daraus gewonnenen Erkenntnissen ermöglicht, den Weg der naturwissenschaftlichen Erkenntnis (Bildung von Theorien und Modellen) besser nachzuvollziehen und sie lernen so die naturwissenschaftliche Arbeitsweise kennen.
    Die Gefahr besteht jedoch darin, dass Lernende ebenso wie Forscher über Fehler und Probleme stolpern können, da ihnen zum Beispiel weitere Befunde noch nicht bekannt sind. Lehrende können jedoch durch geschickte Auswahl der Inhalte dieser Problematik vorbeugen.

  3. I: Nennen Sie Merkmale, an denen man bei Unterrichtsbeobachtung das Vorliegen einer historischen UM erkennen würde.
    • Es sind historische Informationen (Informationsphase) oder Arbeitsweisen in der Unterrichtseinheit enthalten
    • Artikulationsstufen: Problemstellung, Information, Durchführung, Abstraktion und Sicherung
    • Es können Lebensdaten oder Leistungs-Beschreibungen wichtiger Forscher auftauchen (Lavoisier, Bohr, Arrhenius, Curie, etc.)

  4. II: Planen Sie den methodischen Teil einer UE zu einem Thema, bei dem Lernende selber entscheiden sollen, ob Verbindungen des Typs XY4 planar oder tetraedrisch gebaut sind. Bauen Sie eine genetische Komponente ein und begründen Sie ihr Vorgehen.
    Siehe Bsp. 1 im Skript: „Die räumliche Struktur von Molekülen“.


    E-Mail an: Walter.Wagner ät uni-bayreuth.de