Didaktik der Chemie / Universität Bayreuth

Stand: 24.09.19, Seiten 4.10-4.13


4.3 Was ist eine (Unterrichts-)Methode?

Aus der Geschichte (4.2) wissen wir nun, dass sich (bei anderen, bei Ihnen weiß ich es nicht) die Erkenntnis durchsetzte, dass methodisches Vorgehen im Unterricht sinnvoll sei.

Dachten Sie, nun sei alles klar? Pustekuchen.

GLÖCKEL verwendet in [1] fast 100 Seiten auf die Diskussion, was Methode denn sei. Er ist meines Wissens der einzige Pädagoge, der es nicht bei der Diskussion belässt, sondern sich für sinnvolle Begriffe entscheidet, die er dann zur Verwendung vorschlägt.

Diesmal verwenden wir eine andere Annäherung an das Thema: nicht die Vergangenheit ist maßgeblich, sondern die Gegenwart. Sie werden über kurz oder lang sicherlich in die Lage geraten, mit didaktischen Begriffen

  • verschiedener Literatur-Quellen,

  • verschiedener Seminarlehrer (Chemie und Ihres Zweitfaches) oder

  • von Didaktik-Dozenten unterschiedlicher Fächer

umgehen zu müssen.

These: Es mag "Frontbereiche" in jeder Wissenschaft geben, in denen neue Begrifflichkeiten entstehen und sich etablieren müssen. Ganz sicher gibt es aber Basisbereiche auch in der Didaktik, die von klarer Fachsprachlichkeit geprägt sein müssen. Eine Wissenschaft ohne klare Fachsprache ist keine.

In diesem Kapitel entscheiden wir uns für klare Begriffe aus dem Bereich der Unterrichtsmethodik, die wir in der Zukunft auch möglichst konsequent nutzen werden, um zu beschreiben, was wir als Lehrende täglich tun.

Zitat: Die Sprache ist die Quelle der Missverständnisse.
Saint-Exupery, Der kleine Prinz.

Aufgabe: betrachten Sie, gewissermaßen als Vorschau, die verlinkte dynamische Folie in der Präsentations-Ansicht.

Material: "Babylon" (pptx).


Abb. 1: Babylonisches (Fach-)Sprachgewirr in der Didaktik Chemie, bezogen auf "Methoden".

Sie stellen drei Dinge fest:

  1. Vieles von dem, was u.U. als "Methode" bezeichnet wird, ist gar keine (sondern Sozialformen bzw. Arbeitsformen).
  2. Die Begriffe in den beiden entstandenen Spalten wirken auf sehr unterschiedlichen Zeit- und Inhaltsebenen. Die linke Spalte lässt sich einigermaßen einordnen: wir kennen schon die zeitliche und inhaltliche Reichweite von Lehrgängen; die rechte wird Gegenstand dieses und der nächsten Kapitel sein.
  3. Es gibt Fälle, in denen offenbar ein Begriff in beiden Spalten vorkommt (z.B. "genetisch"). Dies ist nicht der einzige, sondern nur ein Beispiel (mehr brauchen wir auch nicht). Das bedeutet, dass ein Lehrgang genetisch geprägt sein kann, aber auch, dass es eine kürzer wirkende genetische Annäherung an Inhalte geben kann. Dazu später mehr.

Schon die Frage nach der "richtigen" Bezeichnung (Unterrichtsverfahren oder Unterrichtsmethode) führt gelegentlich zum Streit mancher "Fachleute", die es "so" oder eher "anders" "gewohnt" sind.


Abb. 2: Verwendete Bezeichnungen für "Methoden" in zwei verbreiteten Lehrbüchern der Fachdidaktik Chemie.

Unsere Lösung: die Begriffe (Unterrichts-)Verfahren und (Unterrichts-)Methode werden in Bayern synonym verwendet (siehe Lexikon der ABayCD, Arbeitsgemeinschaft der Bayerischen Chemie-Didaktiker).

"Unterrichtsmethode" scheint ursprünglicher zu sein und liegt näher an den entsprechenden Begriffen in romanischen und slawischen Sprachen ("methode", "metoda"), so dass gegen eine Verwendung nur sehr wenig spricht. Manchmal wird dagegen argumentiert, der Begriff sei wenig scharf umrissen - ein Phänomen, das meiner Ansicht nach in Geisteswissenschaften eher die Regel als die Ausnahme darstellt ;).

Eine Unterrichtsmethode beschreibt einen überlegten, begründeten Weg, wie der Lehrende den Lernenden von seinem aktuellen Wissensstand zum angestrebten Unterrichtsziel bringen möchte.

Der Begriff "Unterrichtsverfahren" wird in den Lehrbüchern zwar häufiger verwendet, aber nicht definiert. Deshalb wird im Folgenden, auch in Anlehnung an die Diskussion in [1], eher "Unterrichtsmethode" verwendet.


Abb. 3: Konzeption und Unterrichtsmethode als methodische Beschreibungsebenen.

Konzeptionen beschreiben die methodische Färbung ganzer Lehrgänge. Sie sind Ansätze großer zeitlicher Reichweite (viele Unterrichtsstunden, ev. mehrere Schuljahre).


Zur eigenen Kontrolle:

  1. I: Geben Sie Beispiele für Begriffe an, die NICHT Unterrichtsmethoden bezeichnen, aber gerne dafür hergenommen werden.
  2. II: Arbeiten Sie zwei Unterschiede zwischen den Begriffen Unterrichtsmethode und Konzeption heraus.

Hinweise zur Lösung


Download der Abbildungen als PowerPoint - Präsentation

    E-Mail an: Walter.Wagner ät uni-bayreuth.de