Didaktik der Chemie / Universität Bayreuth

Stand: 24.09.19


3.2 Prinzipien der Auswahl von Inhalten
Hinweise zu Lösungen für die Selbstkontrollen


  1. III: Untersuchen und notieren oder diskutieren Sie mit einem Studienkollegen, welche Prinzipien der Stoffauswahl Ihnen helfen könnten, sich für eines der folgenden Projekt-Themen für Ihren Chemieunterricht zu entscheiden:
    -Reaktionsmechanismen der Esterbildung
    -Synthesemöglichkeiten für Ethylbutanoat
    -Herstellung eines naturidentischen Kirsch-Aromas
    -Herstellung von Gummi-Bärchen.

  2. I/II: Nennen / beschreiben Sie Prinzipien, nach denen Sie aus einer Fülle von Informationen zum Thema "Salz" diejenigen auswählen, die Sie in einer 45-Minuten-Einheit zur Einführung der Stoffklasse in einer Jgst. 8 tatsächlich benutzen möchten.
    Prinzip der Fasslichkeit:
    - Lernende dort abholen, wo sie stehen (Kochsalz bekannt, andere Salze nicht)
    - Lernende nicht unterfordern und nicht überfordern (nicht so tun als ob allen klar wäre, dass es noch viele Salze gibt)
    Prinzip der Lehr- und Lernziel-Orientierung:
    - Was sollen die Lernenden am Ende können (z.B. erkennen, dass es nicht das eine Kochsalz, sondern viele Salze gibt, die aus Metall- und Nichtmetallanteil bestehen)
    - Wie können Lernende erfolgreich dazu gebracht werden (z.B. nach und nach weitere Salz-Beispiele einführen).
    Prinzip der Anschaulichkeit:
    - materielles Modell eines Ionengitters mit und ohne Abständen
    Prinzip der Verbindung von Theorie und Praxis:
    - Salz im Alltag als Würzmittel, Streusalz, etc.
    - andere Salze aus der Küche, z.B. Haushaltsnatron, Backpulver, Hirschhornsalz
    Prinzip der Selbsttätigkeit:
    - Versuche durchführen, in denen Salz(e) hergestellt und Eigenschaften untersucht werden.
    - Versuche entwickeln, die "neue" Salze ergeben.
    Der Operator "nennen" beinhaltet nur die Auflistung, "beschreiben" auch je 2-3 Sätze zur eben Beschreibung des Prinzips.

  3. III: Lehrende Huber verwendet in ihrem Unterricht das Modell von auf dem Wasser schwimmenden Korken, um das Verhalten von Tensid-Molekülen auf der Wasseroberfläche zu veranschaulichen. Untersuchen Sie die Geeignetheit dieser Maßnahme anhand der didaktischen Prinzipien.
    Prinzip der Fasslichkeit:
    - Modell einfach, aber vielleicht auch zu einfach, da die Korken symmetrisch sind, immer auf Wasser schwimmen, kein "hydrophiles" Ende haben.
    Prinzip der Lehr- und Lernziel-Orientierung:
    - kann dem Lehrziel dienen
    Prinzip der Anschaulichkeit:
    - anschaulich, aber nicht ganz passend, nicht "richtig"
    Prinzip der Verbindung von Theorie und Praxis:
    - Modell hat keine Entsprechung zum hydrophilen Ende
    Prinzip der Selbsttätigkeit:
    - es kommt darauf an, inwieweit Lernende bei der Entwicklung und Kritik des Modell mit einbezogen sind..
    Abschluss der Untersuchung: falls nur vorgeführt nicht gut geeignet, da nicht viele Prinzipien berücksichtigt sind; wenn Lernende in die Entwicklung und Kritik eingebunden sind, besser.

  4. II: Wenden Sie die Stufen der Abstraktion auf das Lösen eines großen Kochsalzkristalls in Wasser an.
    1. Phänomenologische, makroskopische Ebene: Beobachten, was mit dem Kochsalzkristall passiert: Salzkristall löst sich in Wasser, er „verschwindet“.
    2. Bildliche, mikroskopische Ebene: Beobachte mit der Lupe/Mikroskop, was mit dem Salzkristall im Wasser passiert, werden immer kleiner.
    3. Symbolische, submikroskopische Ebene: Erkläre, warum sich der Salzkristall in Wasser löst. Erklärung: Seiten der Wassermoleküle mit positiver Partialladung werden von Anionen angezogen; Seite des Wassermoleküls mit negativer Partialladung von Kationen. Mehrere Wasser-Moleküle lagern sich an. Hydratation. Ionengitter wird aufgebrochen, Hydratationsenergie wird frei. Ionen sind von Hydrathülle umgeben; schwache Teilladung der Wassermoleküle nach außen, entgegengesetzt geladene Ionen können sich nicht wieder anziehen.


    E-Mail an: Walter.Wagner ät uni-bayreuth.de